Hallo, Gast
Sie müssen sich registrieren bevor Sie auf unserer Seite Beiträge schreiben können.

Benutzername
  

Passwort
  





Durchsuche Foren

(Erweiterte Suche)

Foren-Statistiken
» Mitglieder: 76
» Neuestes Mitglied: rudilassmich
» Foren-Themen: 268
» Foren-Beiträge: 275

Komplettstatistiken

Benutzer Online
Momentan sind 3 Benutzer online
» 0 Mitglieder
» 3 Gäste

Aktive Themen
Genvariante plus Virus??
Forum: Aktuelle Studien und Berichte
Letzter Beitrag: 1000gesichter
24.10.2020, 07:53
» Antworten: 0
» Ansichten: 47
Fahreignung und Fahrtaugl...
Forum: Führerschein und deren Folgen
Letzter Beitrag: 1000gesichter
04.10.2020, 11:39
» Antworten: 0
» Ansichten: 49
25 Jahre MS, wo sethen wi...
Forum: Multiple Sklerose
Letzter Beitrag: 1000gesichter
02.10.2020, 11:03
» Antworten: 0
» Ansichten: 58
Myelin Schicht wieder her...
Forum: Aktuelle Studien und Berichte
Letzter Beitrag: 1000gesichter
07.09.2020, 15:51
» Antworten: 0
» Ansichten: 288
Alternative zu Kortison
Forum: Aktuelle Studien und Berichte
Letzter Beitrag: 1000gesichter
04.09.2020, 06:40
» Antworten: 0
» Ansichten: 229
Siponimod bei SPMS
Forum: Aktuelle Studien und Berichte
Letzter Beitrag: 1000gesichter
29.08.2020, 10:46
» Antworten: 0
» Ansichten: 151
Zulassung Ofatumumab
Forum: Therapie bei MS
Letzter Beitrag: 1000gesichter
22.08.2020, 10:56
» Antworten: 0
» Ansichten: 89
Wirkame Therapie
Forum: Multiple Sklerose
Letzter Beitrag: 1000gesichter
14.08.2020, 06:19
» Antworten: 0
» Ansichten: 86
Fette bei MS
Forum: Aktuelle Studien und Berichte
Letzter Beitrag: 1000gesichter
06.08.2020, 11:44
» Antworten: 0
» Ansichten: 202
Mikro-RNA Bluttest für MS
Forum: Aktuelle Studien und Berichte
Letzter Beitrag: 1000gesichter
26.07.2020, 06:46
» Antworten: 0
» Ansichten: 244

 
  Genvariante plus Virus??
Geschrieben von: 1000gesichter - 24.10.2020, 07:53 - Forum: Aktuelle Studien und Berichte - Keine Antworten

Genvariante plus Virus gleich MS?
23. Oktober 2020

Ein Forschungsteam der Universität Zürich hat entdeckt, dass eine weit verbreitete Genvariante in Kombination mit durchgemachtem Pfeifferschen Drüsenfieber das Gehirn angreift und Multiple Sklerose entstehen lässt.
Multiple Sklerose ist ein sehr komplexes Krankheitsbild. Es gibt verschiedene Verläufe und eine schier unzählige Anzahl an Symptomen. Bei jedem einzelnen Menschen verläuft MS ein bisschen oder sogar ganz anders. Doch nicht nur das Krankheitsbild selbst ist komplex, auch seine Entstehung. Ein weiteres Puzzle, wie Multiple Sklerose entsteht, haben nun Forscher der Züricher Universität entdeckt.
Schon lange haben Wissenschaftler weltweit vermutet, dass es neben einer genetischen Prädisposition mindestens eines Umweltfaktors bedarf, also eines nicht genetischen Faktors, damit ein Mensch Multiple Sklerose entwickelt. Sowohl verschiedene Genvarianten wurden entdeckt als auch der Zusammenhang mit einem bestimmten Virus vermutet: dem Epstein-Barr-Virus.
Aus eigentlich genetischem Vorteil entwickelt sich Multiple Sklerose
Die Züricher Forscher konnten nun zeigen, wie genau die Genvariante HLA-DR 15 und das Epstein-Barr-Virus "zusammenarbeiten". Träger dieser Genvariante können den Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers besonders gut erkennen. Sie besitzen T-Zellen, die genau darauf programmiert sind. Was eigentlich ein Vorteil ist, wird jedoch später zum Nachteil: Gleichzeitig mit dem Erkennen und dem folgenden Angriff auf die Epstein-Barr-Viren, so die Züricher Forscher, gelangen nämlich im Moment einer aktiven Erkrankung mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber Antikörper ins Gehirn. Und zwar genau jene Antikörper, welche zu einer Multiplen Sklerose führen, sprich die Myelinscheiden der Nervenfasern angreifen.
Dass die Genvariante HLA-DR 15 unter Menschen mit Multipler Sklerose besonders häufig vorkommt – 60 % der MS-Betroffenen tragen diese Genvariante, während es in der Allgemeinbevölkerung nur 25 % sind –,  ist schon Jahrzehnte bekannt. Auch ein Wechselspiel zwischen Genvariante und Epstein-Barr-Virus wird schon lange vermutet, der Mechanismus war jedoch nicht bekannt. Den haben nun die Schweizer Forscher zeigen können, indem sie nachgewiesen haben, dass die Immunsysteme von Menschen mit dieser Genvariante den Erreger, also das Epstein-Barr-Virus, besonders gut erkennen können. Kommen Genvariante und ein symptomatisches Pfeiffersches Drüsenfieber zusammen, so steigt das Risiko, eine MS zu entwickeln auf das 15-fache.
Dieser grundlegende Mechanismus könnte bei mehreren Autoimmunerkrankungen eine Rolle spielen. Außerdem erhoffen sich die Forscher, dass aus dieser Erkenntnis neue Therapieansätze hervorgehen.
Ein Wehmutstropfen an dieser Entdeckung bleibt: Er kann nur das Entstehen von ca. 60 % der Menschen mit Multipler Sklerose erklären. Weitere Ursachen müssen noch geklärt werden, um die Multiple Sklerose besser behandeln oder sie womöglich vermeiden zu können.
Quellen: Cell, 21.10.2020; Pressemitteilung der Universität Zürich, 22.10.2020.
Redaktion: AMSEL e.V., 23.10.2020



Angehängte Dateien
.pdf   gen.pdf (Größe: 42,83 KB / Downloads: 0)
Drucke diesen Beitrag

  Fahreignung und Fahrtauglichkeit
Geschrieben von: 1000gesichter - 04.10.2020, 11:39 - Forum: Führerschein und deren Folgen - Keine Antworten

Fahreignung und Fahrtauglichkeit

Fahreignung und Fahrtauglichkeit
Um am Straßenverkehr teilnehmen zu dürfen, muss der Fahrer eines Kraftfahrzeuges körperlich, geistig und charakterlich in der Lage sein, ein Kfz sicher zu beherrschen und zu führen. Eine eingeschränkte oder mangelnde Fahreignung oder Fahrtauglichkeit können eine Gefährdung des Straßenverkehrs darstellen und im schlimmsten Fall zu schweren Verkehrsunfällen führen. Deswegen muss sowohl bei der Neuerteilung als auch bei der Verlängerung oder Wiedererteilung der Fahrerlaubnis die Fahreignung bzw. Fahrtauglichkeit nachgewiesen werden.
Die Begriffe “Fahreignung” und “Fahrtauglichkeit” werden in der Regel synonym miteinander verwendet. Grundsätzlich haben sie auch eine Bedeutung gemeinsam: die Fähigkeit, ein Kfz im Straßenverkehr sicher zu führen. Doch es gibt einen wichtigen Unterschied: Fahreignung meint die generelle Befähigung, mit einem Fahrzeug sicher am Straßenverkehr teilzunehmen. Hierbei sind zum Beispiel auch charakterliche Eigenschaften des Fahrers von Bedeutung. Fahrtauglichkeit ist hingegen situationsbezogen und bezeichnet die Fähigkeit, in der aktuellen Situation ein Kfz sicher zu beherrschen.
Sowohl die Fahrtauglichkeit als auch die Fahreignung eines jeden Verkehrsteilnehmers können durch die Polizei, Gerichte oder die Fahrerlaubnisbehörde in Frage gestellt werden.

Inhalt dieser Seite:

Zusammenhang mit der Fahrerlaubnis
Bevor eine Fahrerlaubnis (wieder)erteilt bzw. verlängert wird, muss der Betroffene seine Fahreignung bzw. Fahrtauglichkeit gemäß § 11 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) nachweisen. Dies geschieht Rahmen einer sogenannten Fahrtauglichkeitsuntersuchung. Für gewöhnlich stellt die Fahrerlaubnisbehörde die grundsätzliche Fahreignung, die auch charakterliche Eigenschaften umfasst, hierbei nicht in Frage. Bei einer Fahrtauglichkeitsuntersuchung wird die körperliche Eignung überprüft. Die Untersuchung beinhaltet im Allgemeinen lediglich einen Sehtest; dieser ist für alle Fahrerlaubnisbewerber verbindlich. Je nach Fahrerlaubnisklasse kann die Fahrtauglichkeitsuntersuchung zusätzlich eine ärztliche Begutachtung miteinschließen.
§ 11 FeV legt dazu fest:
(1) Bewerber um eine Fahrerlaubnis müssen die hierfür notwendigen körperlichen und geistigen Anforderungen erfüllen. […]
(2) Werden Tatsachen bekannt, die Bedenken gegen die körperliche oder geistige Eignung des Fahrerlaubnisbewerbers begründen, kann die Fahrerlaubnisbehörde […] die Beibringung eines ärztlichen Gutachtens durch den Bewerber anordnen. […] (§ 11 Abs. 1 und 2 FeV)
Für eine Fahrtauglichkeitsuntersuchung fallen Kosten an, die der Betroffene selbst zahlen muss. Die Gebühren sind nicht einheitlich festgelegt und variieren je nach Anbieter. Auch der Umfang der Fahrtauglichkeitsuntersuchung beeinflusst die Höhe der Kosten.

Fahrtauglichkeitsuntersuchung: Pflicht für Lkw- und Busfahrer

Für eine Fahrerlaubnis als Lkw-Fahrer (Klasse C, CE, C1 und C1E) oder Busfahrer (Klasse D, DE, D1 und D1E) ist eine umfassende Fahrtauglichkeitsuntersuchung verpflichtend. Hierbei werden in einem verkehrsmedizinischen Gutachten unter anderem
  • der allgemeine Gesundheitszustand
  • das Sehvermögen
  • das Reaktions- und Konzentrationsvermögen und
  • die körperliche Belastbarkeit
des Berufskraftfahrers untersucht. Da die Fahrerlaubnis für Lkw und Busse grundsätzlich immer auf fünf Jahre begrenzt ist und entsprechend verlängert werden muss, müssen sich Berufskraftfahrer regelmäßig einer Fahrtauglichkeitsuntersuchung unterziehen.

Freiwillige Fahrtauglichkeitsuntersuchung

Eine Fahrtauglichkeitsuntersuchung muss nicht immer aufgrund gesetzlicher Vorschriften erfolgen. So besteht auch die Möglichkeit, sich freiwillig auf Fahrtauglichkeit untersuchen zu lassen. Sinnvoll ist dies beispielsweise für ältere Führerscheininhaber. Da im Alter geistige und körperliche Fähigkeiten abnehmen können und in diesem Fall die Gefährdung im Straßenverkehr steigt, ist eine Fahrtauglichkeitsuntersuchung ratsam. Senioren können eine Fahrtauglichkeitsprüfung beispielsweise beim TÜV absolvieren.

Fahreignung: Beeinflussung durch Krankheiten

Erkrankungen und andere Beeinträchtigungen können die Fahreignung beeinflussen. Dazu gehören
  • Behinderung in den Bewegungsabläufen
  • eingeschränktes Seh- oder Hörvermögen
  • Epilepsie
  • Diabetes
  • psychische Störungen
Der Betroffene ist möglicherweise nur noch eingeschränkt dazu in der Lage, das Fahrzeug sicher zu führen und stellt ein potenzielles Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr dar. In diesem Fall ist eine Überprüfung der Fahreignung sinnvoll. Dazu wird ein ärztliches bzw. verkehrsmedizinisches Gutachten erstellt.
Einer Überprüfung der Fahreignung kann sich der Betroffene freiwillig unterziehen. Es ist allerdings auch möglich, dass sie von der Fahrerlaubnisbehörde angeordnet wird, wenn Zweifel an der Fahreignung aufkommen. Dies ist beispielsweise bei Verdacht auf Alkohol- oder Drogenkonsums oder bei anderen Auffälligkeiten in einer Verkehrskontrolle der Fall. Auch im Rahmen einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) erfolgt eine Fahreignungsprüfung. Diese ist Voraussetzung zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis.
Verursacht der Fahrer durch mangelnde Fahreignung einen Verkehrsunfall, kann ihm zum einen die Fahrerlaubnis entzogen werden. Zum anderen erlischt möglicherweise der Versicherungsschutz.

Fahreignung: ärztliches Gutachten

Das ärztliche Gutachten über die Fahreignung beinhaltet sowohl eine körperliche Untersuchung als auch ein Gespräch mit dem Betroffenen über die jeweilige Krankheit bzw. Beeinträchtigung. Das Gutachten kann – abhängig vom individuellen Einzelfall – unter anderem von einem Facharzt mit verkehrsmedizinischer Qualifikation, einem Arzt des Gesundheitsamtes oder der Begutachtungsstellen für Fahreignung (BfF) erstellt werden. Gegenstand der Untersuchung ist unter anderem die Überprüfung
  • des allgemeinen Gesundheitszustandes
  • des Bewegungsapparats
  • der Sinnesfunktionen
  • der Reaktionsfähigkeit
  • einer regelmäßigen Einnahme von Arzneimitteln
Auf Grundlage des Gutachtens entscheidet die zuständige Fahrerlaubnisbehörde, ob der Betroffene dazu geeignet ist, ein Fahrzeug im Straßenverkehr sicher zu führen.
Wie hoch die Kosten für ein verkehrsmedizinisches Gutachten sind, ist vom Einzelfall abhängig. Die Art der Untersuchung beeinflusst dabei die Kosten genauso wie die Wahl des Gutachters. Grundsätzlich muss der Betroffene für die Kosten selbst aufkommen.



Angehängte Dateien
.pdf   Fahreignung.pdf (Größe: 55,31 KB / Downloads: 0)
Drucke diesen Beitrag

  25 Jahre MS, wo sethen wir ?
Geschrieben von: 1000gesichter - 02.10.2020, 11:03 - Forum: Multiple Sklerose - Keine Antworten

Multiple Sklerose 2020 - Wo stehen wir nach 25 Jahren MS-Therapie?
30. September 2020

Beim 9. Stuttgarter MS-Symposium ging es um Propionsäure, die Gene, Kinderwunsch, MS im Alter und Neuromyelitis Optica. Zum ersten Mal fand das Ärzte-Symposium persönlich wie auch virtuell statt. Mit Fotostrecke.
Multiple Sklerose 2020 - Wo stehen wir nach 25 Jahren MS-Therapie?
So lautete das Thema des 9. Stuttgarter MS-Symposiums, das im Corona-Jahr 2020 erstmals als Hybrid-Veranstaltung konzipiert war: Die Teilnehmer konnten entscheiden, ob sie als Zuhörer im Tagungshotel präsent sein oder die Vorträge lieber digital per Video-Konferenz verfolgen wollten. Gleiches galt für die Referenten, die bis auf eine Ausnahme online zugeschaltet waren und in sechs Vorträgen über die neuesten Entwicklungen in der MS-Therapie referierten. Im Fokus der Vorträge standen

  • die Rolle kurzkettiger Fettsäuren bei neuen Therapieansätzen,
  • genetische Aspekte für das Auftreten der Autoimmunerkrankung,
  • Kinderwunsch und MS,
  • Therapie im höheren Lebensalter und
  • eine Abgrenzung zwischen NMOSD und MS.
Multiple Sklerose 2020 - Wo stehen wir nach 25 Jahren MS-Therapie? - Fotostrecke zur Veranstaltung
[Bild: csm_09_%C3%84rztesymposium_2020_JPF_2009...5a0366.jpg]
[Bild: csm_12_%C3%84rztesymposium_2020_JPF_2009...ca2cde.jpg]
[Bild: csm_13_%C3%84rztesymposium_2020_JPF_2009...dce4b1.jpg]

25 Jahre MS-Therapie: “gewaltige Fortschritte“
In seinem persönlichen Rückblick zeichnete Prof. Dr. med. Peter Flachenecker, Chefarzt des Neurologischen Rehabilitationszentrums Quellenhof in Bad Wildbad und Moderator des Symposiums, die Entwicklung der Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bei Multipler Sklerose nach. Seit der ersten Beschreibung des Krankheitsbildes im Jahr 1868 hat sich einiges getan – in Forschung und Lehre wie im klinisch-diagnostisch-therapeutischen Bereich. Immer mit dem Ziel, MS-Betroffenen die bestmögliche Behandlung und Versorgung zukommen zu lassen.
Zur Anzahl der MS-Betroffenen gab es anfangs nur Schätzungen, heute gilt als gesichert, dass in Deutschland ca. 250.000 Betroffene leben. Seit 2001 gelten die McDonald-Kriterien für die Diagnose der MS. Dass diese Kriterien seither schon drei Mal und zuletzt 2017 revidiert wurden, zeigt den rasanten Wissenszuwachs über die Krankheit, so der Vorsitzende des Ärztlichen Beirats der AMSEL.
Seit 1993 werden Beta-Interferone als erste etablierte (Basis-)Therapie eingesetzt, heute gibt es 14 Wirkstoffe und 18 Präparate, darunter neue Immuntherapeutika, die mittlerweile auch zumindest teilweise bei der primär progredienten Form wirksam sind. Prof. Flacheneckers Fazit: In den letzten 25 Jahren hat die Wissenschaft gewaltige Fortschritte bei Diagnose und Therapie der MS erzielt.
Ballaststoffreiche Ernährung und Propionsäure als Allheilmittel?
Als Allheilmittel oder auch nur als alleinige Maßnahme bzw. Therapie kann man beides nicht ansehen. Dennoch: Ein gewisser Einfluss scheint gegeben und daher können Ernährungsumstellung und Propionsäure ergänzend sinnvoll sein. Seit Jahren erforscht Univ.-Prof. Dr. med. Aiden Haghikia, Direktor der Klinik für Neurologie der Universität Magdeburg, die Auswirkungen von Ernährung und Mikrobiom des Darms auf das Immunsystem und chronische Entzündungsgeschehen bei MS.

Dass eine pflanzliche, ballaststoffreiche Ernährung eine positive Wirkung auf kognitive Leistung und die gängigen Symptome der MS hat, wurde in mehreren Studien über die Jahre nachgewiesen. Aber was genau macht den Unterschied, der zum Entstehen der MS führen kann? Der Sobek-Nachwuchspreisträger des Jahres 2019 analysierte das Mikrobiom des Darms bei MS-Patienten im Vergleich zu Gesunden. Ergebnis: Bei MS ist die Komposition des Mikrobioms verändert.
Komplexe Netzwerke sind die Produzenten von kurzkettigen Fettsäuren in der Darmwand. Bei MS-Betroffenen ist ein Mangel an diesen Fettsäuren zu beobachten, der allein durch eine Ernährungsumstellung nicht kompensiert werden kann. Führt man dem Organismus aber Propionsäure zu, kommt es schon nach 14 Tagen zu einem signifikanten Anstieg der Regulationszellen mit möglicherweise positiven Auswirkungen auf Schubrate und Behinderungsprogression.
Die Bildgebung beweist bei zusätzlicher Propionsäuregabe weniger Gehirnatrophie, ja sogar eine Zunahme der grauen Gehirnmasse. Laut Prof. Haghikia ist damit Propionsäure bei geringen bis keinen Nebenwirkungen eine gute Ergänzung zur bestehenden Therapie, deren Wirksamkeit aber noch in großangelegten klinischen Studien bewiesen werden muss.
Spielt die Genetik bei MS etwa doch eine größere Rolle als gedacht?
Aktueller Stand der Forschung ist, dass an der Entwicklung einer Multiplen Sklerose zu 30 Prozent genetische Faktoren und zu 70 Prozent Umwelteinflüsse beteiligt sind. Aufgrund der Erkenntnisse aus der „MS-Zwillingsstudie“ meldet deren Leiterin, Priv.-Doz. Dr. med. Lisa Ann Gerdes von der LMU München Zweifel an. Sie hat Hinweise darauf, dass die Genetik und hier insbesondere epigenetische Zusammenhänge doch einen größeren Anteil am Ausbruch der Krankheit haben.
Ins Zentrum ihrer Forschungen rückten Veränderungen auf der DNA von Zwillingen bspw. durch DNA-Methylierung, die Fehlfunktionen der Immunzellen verursachen und zur Entstehung einer MS führen können. Methylierungsprofile von eineiigen Zwillingspaaren wurden erfasst und statistisch ausgewertet. Ergebnis: Es gab krankheitsassoziierte epigenetische Unterschiede in den Immunzellen. Weitere Erkenntnis: Die Gabe von bestimmten MS-spezifischen Medikamenten kann ebenfalls zu epigenetischen Veränderungen der Immunzellen führen.
Möglicherweise liefern die gewonnenen Daten Hinweise zur Entstehung der MS und zu neuen Therapieansätzen. Corona-bedingt ist die Studie momentan etwas ins Stocken geraten. Ein weiterer Schwerpunkt der Zwillingsstudie wird das Mikrobiom des Darms speziell im prodromalen Stadium, also vor Ausbruch der Krankheit beim bislang nicht betroffenen Zwilling, sein.
Sinnvoll oder riskant? MS-Therapie im höheren Lebensalter
Fakt ist, so die Ausführungen von Prof. Dr. med. Christoph Kleinschnitz: Altern geht einher mit spezifischen Veränderungen des Immunsystems. Die Analyse des Direktors der Klinik für Neurologie an der Universitätsklinik Essen zeigt: Je älter Patienten bei der Erstdiagnose einer schubförmig remittierenden MS sind, desto ungünstiger der Verlauf, desto schneller treten Behinderungen auf, desto schneller erfolgt der Übergang zur sekundär progredienten Form.
Hinzu kommt: Immuntherapeutika entfalten bei älteren Patienten in der Regel eine schwächere Wirkung als bei jungen. So kann es zur Erhaltung der Lebensqualität durchaus Sinn machen, auch bei älteren Patienten auf eine hochwirksame Immuntherapie umzustellen und mögliche unerwünschte Wirkungen in Kauf zu nehmen. Eine kalendarische Altersgrenze gibt es laut Prof. Kleinschnitz nicht. Aber: Risiken und Komorbiditäten steigen mit zunehmendem Alter und müssen bei der Medikation berücksichtigt werden. Es gilt auch hier: eine sorgfältige Diagnostik ist unerlässlich. Chancen und Risiken müssen für jeden individuell abgewogen und mit den Erwartungen des Patienten abgeglichen werden.
Kinderwunsch und MS
Kinderwunsch ist ein wichtiges Thema insbesondere für Frauen, die in jungen Jahren die Diagnose MS erhalten. Priv.-Doz. Dr. med. Kerstin Hellwig, Ruhr Universität Bochum, zeigte die Auswirkungen verschiedener MS-Medikationen während und nach der Schwangerschaft und in der Stillzeit auf. Eine Schwangerschaft ist nach ihren Worten von vorneherein ein Risiko, deshalb muss die Risiko/Nutzen-Relation verschiedener MS-Medikationen besonders genau individuell abgewogen werden.
Eine Schwangerschaft hat generell eine immunsuppressive Wirkung, deshalb wird bei Schwangeren mit und ohne MS eine Grippe- und Keuchhusten-Impfung dringend empfohlen. Sie stattet den Fötus gleichzeitig mit einem „Nestschutz“ aus, denn die Antikörper der Mutter gehen auf das Kind über. Während der Schwangerschaft verringert sich die Schubrate im Allgemeinen und steigt neueren Daten zufolge (im Gegensatz zu älteren Erhebungen) nach der Geburt nicht notwendigerweise über das vorherige Niveau an. Eine Metaanalyse hat nachgewiesen, dass Stillen die Schubrate günstig beeinflussen kann.
Allerdings erhöht sich das Schubrisiko, wenn die Krankheitsaktivität vor der Schwangerschaft vergleichsweise hoch war, insbesondere wenn hochwirksame MS-Therapien ausgesetzt werden mussten. Bei hochaktiven Krankheitsverläufen sollte die Medikation in den ersten 14 Tagen nach der Geburt wieder aufgenommen und auf das Stillen, je nach Wirkstoff, verzichtet werden.. Auch beim Thema Kinderwunsch gilt: Eine Schwangerschaft sollte geplant und über die Medikation in Abstimmung mit dem Neurologen und Gynäkologen entschieden werden.
NMOSD versus MS: Warum ist die diagnostische Abgrenzung so wichtig?
Weil die gängigen MS-Therapeutika (abgesehen von Rituximab)  bei der MS-ähnlichen NMOSD (Neuromyelitis Optica Spectrum Disease) wirkungslos ist oder diese gar verschlechtern kann und damit kontraindiziert ist, so Prof. Dr. med. Friedemann Paul von der Charité Berlin. Er zeigte in seinem Vortrag die Unterschiede zwischen der seltenen Autoimmunerkrankung NMOSD und MS auf.
Die Symptome Sehnerventzündung, Myelitis und Läsionen an der Area postrema (Brechzentrum am Hirnstamm) mit Schwindel, Schluckauf und Erbrechen treten schubweise allein oder in Kombination auf. Die Krankheit schreitet üblicherweise schnell voran. In 75 Prozent der Fälle lassen sich Aquaporin-4-Autoantikörper nachweisen, die in den Zellstoffwechsel eingreifen und Entzündungsprozesse fördern. Axonale Schäden, auch Demyelinisierungen können die Folge sein.
Da die NMOSD-Symptome sich nach einem Schub spontan meist nicht vollständig zurückbilden und ein hohes Rezidiv-Risiko besteht, muss bereits zwingend nach dem ersten Schub behandelt werden. Eine Nichtbehandlung bezeichnet Prof. Paul schlichtweg als Kunstfehler. Je schneller diagnostiziert und therapiert wird, desto günstiger ist die Prognose. Die Bestimmung der genannten Antikörper, flankierend zur Liquorpunktion und Bildgebung, ermöglicht eine zuverlässige Differentialdiagnose. Die Schubtherapie erfolgt wie bei der MS mit Cortison. Zur Schubprophylaxe wird der aus der MS-Therapie bekannte Wirkstoff Rituximab eingesetzt, daneben ist der monoklonale Antikörper Eculizumab für die NMOSD zugelassen.
Wie in den Vorjahren war auch das 9. Ärztesymposium der AMSEL in dieser hybriden Form gut besucht. Registriert waren mehr als 30 digitale und 35 analoge Teilnehmer. Bedenkt man Wege- und Zeitersparnis bei gleichzeitigem Sicherheitsgewinn in Pandemie-Zeiten, hat sich der zusätzliche technische Aufwand mehr als gelohnt.
Das 9. Stuttgarter Symposium der AMSEL war von der Landesärztekammer als Fortbildungsveranstaltung anerkannt. Für die freundliche Unterstützung bei der Durchführung dankt AMSEL den Unternehmen Almirall, Merck, Novartis, Roche, Sanofi Genzyme und Teva.
Redaktion: AMSEL e.V., 30.09.2020



Angehängte Dateien
.pdf   25jahreMS.pdf (Größe: 108,25 KB / Downloads: 0)
Drucke diesen Beitrag

  Myelin Schicht wieder herstellen
Geschrieben von: 1000gesichter - 07.09.2020, 15:51 - Forum: Aktuelle Studien und Berichte - Keine Antworten

Durchbruch in der Remyelinisierung?
07. September 2020

Wenigstens am Mausmodell konnten europäische Forscher zeigen, dass der Asthmawirkstoff Theophyllin das Myelin um die Nervenfasern herum wiederherstellen kann. Der Abbau der Myelinscheiden ist schuld an den zunehmenden Behinderungen im Rahmen einer Multiplen Sklerose.
Gerade, wenn es sich bei Forschungsergebnissen um solche aus Mausmodellen handelt, sollte man vorsichtig sein, um nicht frühzeitig Hoffnungen zu schüren. Was die Forscherteams der Universität Fribourg in der Schweiz und der Johannes Gutenberg Universität Mainz herausgefunden haben, könnte die Remyelinisierung ein gutes Stück voranbringen und etwas Hoffnung schöpfen lassen - auch wenn es bis zu einer Zulassung noch dauern wird.
Es ist schon lange bekannt, dass sich das Myelin um unsere Nervenfasern herum vor allem im Zentralen Nervensystem mit dem Alter immer schlechter von allein wieder erneuert. Die fettigen Myelinschichten, man spricht auch von Myelinscheiden, um die Nervenfasern herum schützen diese und sorgen dafür, dass Signale mit Hochgeschwindigkeit durch unser Zentrales Nervensystem flitzen können.
Dank Myelin "flitzen" die Signale
Umgekehrt ist es leicht vorstellbar, was passiert, wenn diese Isoliertschichten fehlen: Die Signale kommen nur noch schneckenschnell voran, und, noch schlimmer, die Nervenfasern, die nun frei liegen, können untergehen: der gefürchtete Axonverlust. Kein Signal kommt merh hindurch. Das ist der Fall bei der Multiplen Sklerose, wo dieser Prozess zunächst meist schubförmig stattfindet, mit zunehmendem Alter jedoch in einen schleichenden Prozess übergeht. Es kann zu allen denkbaren neurologischen Ausfällen kommen, ob das nun

  • die Sicht betrifft,
  • unsere Konzentration,
  • unser Gedächtnis,
  • unser Tempo,
  • die Fähigkeit unserer Haut, zu fühlen,
  • unsere Mobilität oder
  • unsere Fähigkeit, das Wasser zu halten.
Schon lange sucht die Forschung weltweit daher nach Möglichkeiten, die Myelinschicht zu retten oder, wenn sie denn schon verloren ist, sie zu reparieren. Bislang mit verhaltenem Erfolg.
Asthma-Mittel Theophyllin bei Multipler Sklerose
Das Wissenschaftlerteam um die Neurobiologin Professor Claire Jacob hat nun einen wichtigen Mechanismus entdeckt, um die Remyelinisierung sowohl im Zentralen (ZNS: Gehirn und Rückenmark) wie auch im Peripheren Nervensystem (im übrigen Körper) zu steuern. Im Mausmodell konnten die Myelinscheiden der Tiere durch die Gabe des Wirkstoffs Theopyllin wiederhergestellt werden.
Das Interessante an Theophyllin ist, dass der Wirkstoff schon lange zugelassen ist und vor allem in der Asthmabehandlung eingesetzt wird. Man muss dazusagen, dass Theophyllin nicht unumstritten ist, gerade auch in seiner Wirkung auf das Herz, jedoch sind diese Nebenwirkungen dosisabhängig und die Schweizer-Deutschen Forscher haben herausgefunden, dass es nur eine geringe Dosis braucht, um die Remyelinisierung anzustoßen. Für eine mögliche Zulassung bei Multipler Sklerose hätte die Tatsache, dass Theophyllin bereits zugelassen ist, den Vorteil, dass sich das Zulassungsverfahren verkürzen ließe.
Progrediente MS behandeln?
Um jedoch zu diesem Ergebnis zu gelangen bzw. auf Theophyllin als möglichen Myelin-Erneuerer zu finden, untersuchten die Wissenschaftler zunächst an Mäusen, wie es überhaupt zum Myelinverlust kommt, dann, wie man den Prozess unterbinden kann.
Neurowissenschaftler fanden heraus, dass ein Protein namens eEF1A1 einen Schlüsselfaktor dabei darstellt. eEF1A1 unterbindet die Remyelinisierung, wenn es durch Acetylierung (in der Chemie: der Austausch von einem Wasserstoffatom durch eine Acetylgruppe) aktiviert wird. Deaktiviert man jedoch eEF1A1 durch Deacetylierung, so können die Myelinscheiden erneuert werden. Hierzu benötigt man wiederum ein Enzym namens Histondeacetylase 2 (HDAC2).
Um nun die HDAC2-Aktivität und ihre Synthese in Zellen zu steigern, setzten die Forscher Theophyllin ein. Theophyllin ist ein Stoff, der auch in sehr kleinen Dosierungen aus Teeblättern gewonnen werden kann. Die Remyelinisierung gelingt sowohl im zentralen wie im peripheren Nervensystem, weswegen der Einsatz nicht nur bei Multipler Sklerose weiter erforscht wird, sondern ebenso bei Verletzungen des peripheren (äußeren) Nervensystems, etwa nach Verletzungen oder Operationen.
Eine Finanzierung passender klinischer Studien an Patienten ist bereits beantragt. Für Menschen mit Multipler Sklerose wie für Menschen nach Unfällen wäre es sehr zu wünschen, dass Theophyllin hier eine ebenso gute Wirkung zeigt wie im Tiermodell und – so alle Voraussetzungen erfüllt werden – baldmöglichst zugelassen werden kann.
Gerade in der Behandlung der progredienten MS-Verläufe (PPMS und SPMS) wäre es wichtig, mehr Wirkstoffe zur Verfügung zu haben, da die progredienten Verläufe mit den (meist) Entzündungen eindämmenden Wirkstoffen für die schubförmige MS nur begrenzt therapierbar sind. Quellen: Nature Communications, 09.07.2020; Pressemitteilung der Johann Gutenberg Universität Mainz, 24.08.2020.
Redaktion: AMSEL e.V., 07.09.2020



Angehängte Dateien
.pdf   mylen.pdf (Größe: 48,13 KB / Downloads: 0)
Drucke diesen Beitrag

  Alternative zu Kortison
Geschrieben von: 1000gesichter - 04.09.2020, 06:40 - Forum: Aktuelle Studien und Berichte - Keine Antworten

Alternative zu Kortison gesucht
03. September 2020

Wissenschaftler der Technischen Universität München sind einen kleinen aber vielleicht entscheidenden Schritt weiter auf dem Weg, den klassischen Entzündungshemmer abzulösen.
Cortison findet sehr viel Anwendung, ob als freiverkäufliche Salbe oder Spray, als Tablette oder Infusion. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts ist es kaum wegzudenken aus der Medizin. Und das, obwohl vor allem bei längerem Gebrauch durchaus auch bleibende Nebenwirkungen auftreten können.
Cortison ist sehr potent bei Entzündungen...
Ein Grund für die große Beliebtheit von Cortison trotz seiner möglichen Nebenwirkungen (zum Beispiel höherer Blutdruck oder Osteoporose): Es gibt bis heute schlicht und ergreifend keine ähnlich potente Alternative. Und Cortison erfüllt eine sehr wichtige Funktion, denn es ist in der Lage, sowohl lokal wie im ganzen Körper Entzündungen zu unterdrücken, indem es das überschießende oder fehlgeleitet reagierende Immunsystem bremst. Daher kommt es bei so unterschiedlichen Krankheitsbildern zum Einsatz wie:

  • Multiple Sklerose
  • Morbus Crohn
  • Nasennebenhöhlenentzündungen
  • bestimmte Rheumaformen
  • Schuppenflechte und andere Hauterkrankungen
  • Asthma
  • Allergien
Selbst gegen Covid-19 wird Cortison teilweise eingesetzt. Ein weiterer „Nebenwirkungshaken“ von Cortison ist seine Widersprüchlichkeit: Einerseits hilft es, Entzündungen im Rahmen eines Infektes zum Beispiel zu unterdrücken. Andererseits kann zumindest eine dauerhafte Anwendung von Cortison die Infektanfälligkeit erhöhen.
...wären da nicht die Nebenwirkungen bei dauerhafter Anwendung.
Dosis und Dauer bestimmen bei Cortison wie bei den vielen anderen Anwendungen die Höhe und den Schweregrad der möglichen Nebenwirkungen. Wer wegen einer Nasennebenhöhlenentzündung für eine kurze Zeit ein (niedrig dosiertes) Cortison-Spray lokal anwendet, muss sich kaum sorgen. Anders ist das bei chronischen Erkrankungen, die eine Dauertherapie oder auch immer wiederkehrende wochenlange Therapien mit Cortison erfordern.
Gründe genug, hier nach Alternativen zu forschen. Das passiert auch schon sehr lange, vermutlich, seitdem Cortison auf dem Markt ist. Eine Möglichkeit, um hier neue Therapiewege zu finden, ist, Cortison selbst genau zu untersuchen. Denn so viel weiß man über seine Wirkweise trotz 70 Jahren im Einsatz nicht.
Entzündungsgene finden und ausschalten
Was man weiß: Glucocorticoide binden an einen Glucocorticoid-Rezeptor. Das Steroidhormon Cortisol bilden wir sogar selbst. Es hilft uns beim Aufwachen und wird in Stress-Situationen ausgeschüttet. Und es hilft, den Zucker- und Fetthaushalt zu regeln. Quasi ein "Ausnahmehormon" für spezielle Situationen. Zu den Funktionen von Cortisol gehört auch die Kontrolle der Immunreaktion. Über den Rezeptor lässt sich diese ausschalten und genau das nutzt man oft in der Medizin mit synthetischen Wirkstoffen wie Prednisolon oder Hydrocortison.
Das Team um Henriette Uhlenhaut, Professorin an der Technischen Universität München (TUM) untersuchte die Wirkweise der Glucocorticoide genauer. Und kam zu dem Schluss, dass sich hierbei nicht wie bisher angenommen, lediglich Proteine untereinander beeinflussen und somit Basis für den Effekt der Steroide sind, sondern dass die DNA sehr wohl eine Rolle spielt. Genau dieser Fund, sollte er sich bewahrheiten, hat große Bedeutung bei der Suche nach Alternativen zu Kortison: Jetzt geht es darum, die "Entzündungsgene" herauszufinden, um gezielter Entzündungen unterdrücken zu können, ohne die bekannten Nebenwirkungen des Cortisons. Gerade Patienten mit Multipler Sklerose und viele weitere Chroniker könnten von einer nebenwirkungsfreieren Alternative zu Cortison profitieren.
Quelle: Pressemitteilung der Technischen Universität München, 02.09.2020.
Redaktion: AMSEL e.V., 03.09.2020



Angehängte Dateien
.pdf   kortison.pdf (Größe: 45,05 KB / Downloads: 0)
Drucke diesen Beitrag

  Siponimod bei SPMS
Geschrieben von: 1000gesichter - 29.08.2020, 10:46 - Forum: Aktuelle Studien und Berichte - Keine Antworten

Frühe Nutzenbewertung: Kein Zusatznutzen für Siponimod bei SPMS mit aktiver Erkrankung
Dienstag 25.08.2020
In seiner Sitzung am 20. August 2020 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) für den im Januar 2020 neu zugelassenen Wirkstoff Siponimod keinen Zusatznutzen beschlossen. In der "frühen Nutzenbewertung" nach Arzneimittelneuordnungsgesetz zeigte sich im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie in beiden bewerteten Patientengruppen kein Vorteil gegenüber der Vergleichstherapie.
 
[Bild: Pillen.160.shutterstock.jpg]
© Shutterstock

Pillen

In Deutschland sind grundsätzlich apothekenpflichtige, verschreibungspflichtige Arzneimittel unmittelbar nach Zulassung und Markteintritt innerhalb des/der Anwendungsgebiete/s für alle Patienten in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verfügbar. Soweit von vornherein keine generellen Verordnungsausschlüsse bestehen, beispielsweise für sogenannte Lifestyle-Arzneimittel, können zugelassene Arzneimittel von Ärzten zulasten der GKV verordnet werden. Der G-BA bewertet in der "frühen Nutzenbewertung" den Zusatznutzen eines neu zugelassenen Arzneimittels/Wirkstoffes im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie. Das Ergebnis dient als Entscheidungsgrundlage, wie viel die GKV für ein neues Arzneimittel mit einem neuen Wirkstoff zahlt.
Der Wirkstoff Siponimod (Handelsname Mayzent®) für die Behandlung von Erwachsenen mit sekundär progredienter MS (SPMS) mit aktiver Erkrankung musste sich dem Verfahren der Zusatznutzenbewertung nun aufgrund der Zulassung im Januar 2020 stellen. Dabei unterteilte der G-BA das Anwendungsgebiet "aktive SPMS" in zwei Gruppen:
a) diejenigen, die bei aktiver SPMS, Krankheitsaktivität nachgewiesen mittels Bildgebung (Magnetresonanztomografie), noch (aufgesetzte) Schübe erfahren und
b) diejenigen, die bei einer aktiven SPMS keine Schübe mehr zeigen.
Die Gruppeneinteilung bezieht sich auf den Zeitpunkt des Studieneinschlusses, so dass in der Gruppe b) die Schubrate dennoch in der G-BA-Bewertung berücksichtigt wurde.
Für die Gruppe a) reichte der Hersteller keine Daten ein. Daher war eine Aussage zum Zusatznutzen gegenüber einer Therapie mit Interferon-beta oder Ocrelizumab nicht möglich, und dieser wurde folglich als "nicht belegt" eingestuft. Für die Gruppe b) gab es zwar in einer Endpunktkategorie "Bestätigte Krankheitsschübe" einen statistisch signifikanten Vorteil für Siponimod gegenüber dem Vergleich zu Best-Supportive-Care (bestmögliche, patientenindividuelle, optimierte Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität), in der Gesamtbewertung fand dieser aufgrund von Unsicherheiten aber keine Berücksichtigung.
Der G-BA bemängelt, dass aufgrund unzureichender Angaben hinsichtlich des Einflusses vorangegangener MS-Therapien nicht abschließend bewertet werden kann, ob die im Vergleich höhere Schubrate in der Kontrollgruppe auf der Wirkung von Siponimod in der Interventionsgruppe oder aber auf das Absetzen von MS-Therapien in der Kontrollgruppe vor Studienbeginn zurückzuführen ist. Weiterführende Analysen zeigten, dass Krankheitsschübe fast ausschließlich bei Patienten auftraten, die vor Studienbeginn eine MS-Therapie erhalten haben. Dies deutet darauf hin, dass die im Studienverlauf beobachteten Krankheitsschübe solche Schübe sein können, die durch eine vorangegangene MS-Therapie erfolgreich unterdrückt wurden. Aufgrund dieser Unsicherheit und u.a. dem Nicht-Vorliegen bewertbarer Daten zum Nebenwirkungsprofil sowie keines Vorteils beim primären Therapieziel, die Behinderungsprogression aufzuhalten, sieht der G-BA in der Gesamtschau den Zusatznutzen für die Gruppe b) als "nicht belegt".
Quelle: www.g-ba.de, https://www.g-ba.de/bewertungsverfahren/...eschluesse  – Zugriff 25.08.2020
25.08.2020



Angehängte Dateien
.pdf   Siponimod.pdf (Größe: 50,58 KB / Downloads: 0)
Drucke diesen Beitrag

  Zulassung Ofatumumab
Geschrieben von: 1000gesichter - 22.08.2020, 10:56 - Forum: Therapie bei MS - Keine Antworten

Zulassung für Ofatumumab in USA
21. August 2020

Weiterer Wirkstoff zur Behandlung der Multiplen Sklerose in den USA zugelassen. Die Zulassung in Europa wird bis Mitte 2021 erwartet.
Ofatumumab hat in den USA die Zulassung zur Behandlung schubförmiger Verläufe (RMS) der Multiplen Sklerose bei erwachsenen MS-Erkrankten erhalten und soll dort ab September unter dem Namen Kesimpta® erhältlich sein. Die Zulassung in den USA bezieht sich auf die Behandlung des Klinisch Isolierten Syndroms (CIS), der schubförmig remittierenden MS (RRMS) und der aktiven sekundär progredienten Multiplen Sklerose (SPMS). Ofatumumab ist eine sogenannte B-Zell-Therapie, die monatlich als Injektion verarbreicht wird. 
Im Gegensatz zur B-Zell-Therapie mit dem Anfang 2018 zugelassenen Ocrelizumab, das als Infusion durch einen Arzt verabreicht werden muss, kann Ofatumumab als monatliche Injektion mit einem Autoinjektor-Pen vom Anwender selbst appliziert werden. Nicht nur die Anwendung, auch die Zulassung ist unterschiedlich: Ocrelizumab wurde zur Behandlung der schubförmigen MS und in der frühen Phase der primär progredienten Multiplen Sklerose zugelassen.
Die Zulassung von Ofatumumab in den USA basiert auf den Ergebnissen der Phase III ASCLEPIOS-Studie (AMSEL hatte berichtet). Im Februar hatten die FDA und die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) den Zulassungsantrag für Ofatumumab angenommen. Die Zulassung von Ofatumumab (früher OMB157) für Europa wird bis Mitte 2021 erwartet.
Quelle: Pressemitteilung Novartis Pharma GmbH, 20.08.2020
Redaktion: AMSEL e.V., 21.08.2020



Angehängte Dateien
.pdf   Ofatumumab1.pdf (Größe: 38,7 KB / Downloads: 0)
Drucke diesen Beitrag

  Wirkame Therapie
Geschrieben von: 1000gesichter - 14.08.2020, 06:19 - Forum: Multiple Sklerose - Keine Antworten

Was ist eine wirksame Therapie der Multiplen Sklerose
13. August 2020

Einfach gedacht: Ein Patient bekommt ein Medikament und es geht ihm besser, also ist es wirksam? - Leider ist es nicht so einfach. Die pure Tatsache, dass sich ein Patient unter einer Therapie bessert, ist kein Beweis für deren Wirksamkeit.
Es gibt objektive Besserungen ohne jede Therapie oder auch in Patientengruppen, die im Rahmen von Studien ein wirkungsloses Scheinmedikament (ein „Placebo“) erhalten. Um die Wirksamkeit eines Medikamentes aber auch eines Verfahrens z.B. der Hippotherapie zu beweisen, sind klinische Studien notwendig.
Jede korrekt durchgeführte Studie – sei es nun zur Multiplen Sklerose oder einer anderen Erkrankung – folgt einem Protokoll; Für Arzneimittelstudien gelten diesbezüglich sehr strenge gesetzliche Regeln. Das Ziel einer Studie ist es, wissenschaftlich korrekte Aussagen über die Wirksamkeit eines Medikamentes oder einer anderen Therapie zu erhalten. Genauso wichtig ist es aber, alle Nebenwirkungen zu erfassen. Dazu müssen alle während der Studie und einem Nachbeobachtungszeitraum auftretenden Krankheiten und abweichende Laborbefunde von allen Studienteilnehmern aufgelistet werden. Nicht wenige Arzneimittelstudien mussten abgebrochen werden, weil sich herausstellte, dass bis dahin unbekannte und zu gefährliche Nebenwirkungen aufgetreten sind.
Die Bedeutung der Randomisierung
Wenn man zwei Gruppen von Patienten miteinander vergleicht, z.B. Vegetarier und „Normalköstler“ und dann einen Unterschied zwischen beiden Gruppen findet, dann kann man nicht sicher sein, dass die Ursache für diesen Unterschied alleine in der Ernährung liegt. Es kann sein, dass die beiden Gruppen sich noch bezüglich anderer Faktoren unterscheiden. So treibt vielleicht die eine Gruppe mehr Sport oder macht mehr Entspannungstraining; man kann sich noch viele weitere Faktoren vorstellen, in denen Unterschiede bestehen.
Dieses Problem kann man durch Randomisierung umgehen: Bei diesem Verfahren werden die Studienteilnehmer zufällig der einen oder anderen Gruppe zugeordnet. Wenn die Gruppe insgesamt groß genug ist, kann man davon ausgehen, dass sich zufällige Unterschiede zwischen den Teilnehmern auf beide Gruppen verteilen und somit die beiden Gruppen ausreichend homogen sind, um eine relativ sichere Aussage zu erlauben.
Daran sieht man auch die Probleme solcher Studien: Während es einfach ist, in Arzneimittelstudien die Teilnehmer zuzuordnen, wird es sehr schwierig, randomisierte Studien durchzuführen, bei denen eine Änderung des LebensstiIs nötig wäre, z.B. dass eine Gruppe deutlich weniger tierische Fette zu sich nimmt oder deutlich mehr Sport treibt. Obwohl einige Faktoren nachträglich aus den Daten „herausgerechnet“ werden können, ha- ben Studien ohne Randomisierung eine geringere Aussagekraft.
Doppelblindstudie
Wenn z.B. ein Arzt von einer Behandlung überzeugt ist, schätzt er vielleicht bei einer körperlichen Untersuchung den Patienten unbewusst als besonders gut ein. Ein Patient, der an ein Medikament glaubt, strengt sich vielleicht mehr an. Es gibt auch vielfältige Einflüsse von seelischen Faktoren auf Therapieergebnisse. Wenn es also darum geht, die Wirksamkeit eines Medikamentes zu beweisen, gilt die Doppelblindstudie als der „Goldstandard“.
Dabei werden Gruppen gebildet; eine Gruppe erhält das Medikament (das „Verum“), eine andere Gruppe ein wirkungsloses Scheinmedikament (ein „Placebo“). Weder der Arzt noch der Patient wissen, wer das Medikament und wer das Placebo erhält, beide sind also diesbezüglich „blind“ (deshalb nennt man diese Studien auch „Doppelblindstudien“). Verum und Placebo unterscheiden sich äußerlich gar nicht. Selbstverständlich weiß jeder, der an einer Studie teilnimmt, darüber Bescheid, es gelten sehr strenge gesetzliche Regelungen für Arzneimittelstudien. Jeder Teilnehmer muss unterschreiben, dass er bereit ist, an einer solchen Arzneimittelstudie teilzunehmen und die Studienteilnahme kann jederzeit beendet werden.
Nach dem Studienende können die beiden Gruppen bezüglich bereits vorher festgelegter Kriterien verglichen werden. Wenn dann die Verumgruppe überzufällig (man sagt dann: „statistisch signifikant“) weniger MS-Schübe aufweist als die Placebogruppe, oder in der Verumgruppe mehr Patienten stabil sind als in der Placebogruppe, dann kann gesagt werden: Das Medikament ist bezüglich der Schubratenreduktion oder der Progressionsverlangsamung wirksam. Bei der schubförmigen Multiplen Sklerose werden jetzt die Studien meist doppelblind gegen ein bereits als wirksam erkanntes Medikament durchgeführt.
Das kann dann dazu führen, dass ein Betroffener sich dreimal pro Woche eine Spritze unter die Haut gibt und er noch Infusionen erhält. Entweder die Spritzen oder die Infusion enthalten Placebo. Natürlich können nicht alle Therapien der Multiplen Sklerose im Doppelblind-Design untersucht werden, bei der Hippotherapie oder krankengymnastischen Techniken weiß der Betroffene schon, was er erhalten hat. Aber auch solche Verfahren können in wissenschaftlich sauberen Studien untersucht werden.
Evidenzbasierte Medizin
Wir alle möchten bestmöglich nach dem aktuellen Stand des Wissens behandelt werden, eines Wissens, das gerade bei der Multiplen Sklerose sehr schnell wächst. „Evidenzbasierte Medizin ist demnach der gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Gebrauch der gegenwärtig besten externen, wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten“, so lautet eine Definition.
Evidenzklassen
Um eine Orientierung darüber geben zu können, wie gut eine Therapieempfehlung durch wissenschaftliche Daten begründet ist, wurden sogenannte Evidenzklassen definiert:
Evidenzklasse I (die beste Evidenzklasse):
Es liegen meist mehrere, große, randomisierte, kontrollierte, methodisch gut gemachte Studien vor (bei Arzneimitteln oft Doppelblindstudien), oft auch sogenannte Metaanalysen, bei denen verschiedene Studien zusammengefasst werden.
Evidenzklasse II:
Es liegen meist mehrere, gut angelegte Studien ohne Randomisierung vor.
Evidenzklasse III:
Evidenz aufgrund gut angelegter, nicht experimenteller, beschreibender, vergleichender Studien.
Evidenzklasse IV:
Evidenz aufgrund von Meinungen von Expertenkreisen, Konsensuskonferenzen oder von Expertenmeinungen anerkannter Autoritäten.
Zulassungen für Medikamente werden praktisch nur bei Vorliegen von Klasse I Evidenzen für deren Wirksamkeit erteilt. Viele freiverkäufliche Substanzen wie z.B. Nahrungsergänzungsmittel, die für die Multiple Sklerose beworben werden, verfügen jedoch nicht über ausreichende Evidenzen für deren Wirksamkeit. Wenn jemand die „Wirksamkeit“ eines Verfahrens oder eines Medikamentes etc. behauptet, sollte derjenige Daten zur Wirksamkeit vorlegen können und nicht nur Argumente dafür, dass diese Therapie sinnvoll sein könnte.
Was bedeutet es, wenn die Wirksamkeit einer Therapie bewiesen ist?
Bei Immuntherapien hat Wirksamkeit nichts mit Heilung zu tun (die gibt es leider bei der Multiplen Sklerose noch nicht). Es kann auch nicht versprochen werden, dass es eine Besserung von Symptomen gibt. Wirksamkeit heißt zum Beispiel bei der schubförmigen MS, dass die Betroffenen, die mit der Substanz behandelt wurden, mathematisch beweisbar („signifikant“) weniger Schübe haben und sich langsamer verschlechtern als die Kontrollgruppe.
Leider ist es immer noch so, dass auch unter den allerneuesten Therapien eine klinische Verschlechterung nicht ausgeschlossen werden kann. Die „wirksamen“ Immuntherapien der MS konnten alle auch zeigen, dass es weniger neue oder kontrastmittelaufnehmende Herde darunter gibt. Auch ein kleiner Unterschied zwischen der Verum- und der Placebogruppe kann statistisch signifikant sein, und das Medikament ist damit „wirksam“. Es lohnt sich also, die Originalkurven anzusehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie groß der zu erwartende Nutzen ist, d.h. wie groß der Unterschied zwischen den Gruppen ist. Wenn man zu viel erwartet, ist die Gefahr groß, vom realen Effekt des Medikamentes enttäuscht zu sein.
Allerdings sagen Mittelwerte nichts darüber aus, wie groß der Nutzen für den Einzelnen ist. Wenn man Glück hat, kann man deutlich besser abschneiden als der Mittelwert in der Studie vorhersagt, es kann aber auch sein, dass die Therapie sehr wenig nutzt und über eine Alternative nachgedacht werden muss.
Fazit
Bevor eine Therapie zugelassen wird, müssen der Nutzen und die Nebenwirkungen in großen Studien belegt sein. Wenn die mit dem zu prüfenden Medikament behandelte Gruppe mathematisch beweisbar besser abschneidet als eine Placebo-Gruppe (die Placebo erhalten hatte), kann gesagt werden, dass diese Therapie wirksam ist. Leider gibt es immer wieder Berichte über „Wundertherapien“ oder es wird versucht, Nahrungsergänzungsmittel zu verkaufen, für die kein Wirksamkeitsbeweis vorliegt. Im Zweifelsfall sollte dazu der behandelnde Neurologe gefragt werden.
[Bild: csm_ms-therapie-aerzte_ead55dfbe9.png]

Quelle: together, 04.19 / Abdruck mit freundlicher Genehmigung des DMSG-Landesverbandes Rheinland-Pfalz



Angehängte Dateien
.pdf   wirkung.pdf (Größe: 93,64 KB / Downloads: 0)
Drucke diesen Beitrag

  Fette bei MS
Geschrieben von: 1000gesichter - 06.08.2020, 11:44 - Forum: Aktuelle Studien und Berichte - Keine Antworten

Aktuelles aus der Multiple-Sklerose-Forschung: Einfluss von kurzkettigen Fettsäuren
Montag 03.08.2020
Um den Einfluss von kurzkettigen Fettsäuren als Stoffwechselprodukte des Darm-Mikrobioms auf die Multiple Sklerose (MS) dreht sich ein aktuelles Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. med. Aiden Haghikia an der Ruhr-Universität Bochum. Im Interview mit dem Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) berichtet der Neurologe über Propionsäure und MS.
[Bild: csm_Forscherteam_Haghikia_Bild_Ruhr-Univ...6f01e9.jpg]


Forscherteam um Prof. Dr. med. Aiden Haghikia, Abteilung für Neurologie, Ruhr-Universität Bochum, St. Josef-Hospital Bochum, Bild: Ruhr-Universität Bochum

Bei der Multiplen Sklerose (MS) kommt es aufgrund von Entzündungsprozessen zur Schädigung der weißen Hirnsubstanz (Myelin) und der Nervenzell-Fortsätze (Axone), bis hin zum irreversiblen Nervenzell-Untergang. Das die Nervenzellen umhüllende Myelin gewährleistet durch seine isolierende Wirkung eine schnelle Reizweiterleitung. Da sich die Entzündungen in Herden im gesamten Zentralnervensystem bilden können, kann es als Folge zu unterschiedlichen Ausfallserscheinungen kommen. Als Hauptfaktor dieser Autoimmunität tritt bei der MS ein Ungleichgewicht zwischen entzündungshemmenden, regulatorischen T-Zellen (Treg) und entzündungsfördernden T-Helfer (TH) Zellen (z.B. Th17) zu Gunsten Letzterer auf. Die Ursachen für die Entstehung der MS sind noch nicht vollständig geklärt, nach aktuellem Kenntnisstand wird von einer Kombination aus genetischer Veranlagung (max. 30 Prozent) und Risikofaktoren aus der Umwelt ausgegangen. Die Erkrankung ist aber nicht vererbbar, sondern die beteiligten Genvarianten erhöhen in Summe das Erkrankungsrisiko. Die Umweltfaktoren sind deswegen so interessant, da sie nicht nur den Krankheitsbeginn mit bedingen, sondern auch den Verlauf beeinflussen könnten, d.h. deren Identifikation kann potenziell präventiv oder therapeutisch genutzt werden. Hier wurden in den letzten Jahrzehnten unterschiedliche Umweltfaktoren diskutiert; als prominenteste Vertreter gelten v.a. ein Vitamin-D-Mangel, das Rauchen und Übergewicht.
Neuere Arbeiten zeigen u.a. einen Einfluss der Ernährung und der damit assoziierten Darm-Flora (Darm-Mikrobiom) auf die Entstehung und den Verlauf verschiedener chronischer Erkrankungen. Das Darm-Mikrobiom besteht aus Milliarden verschiedener Bakterienarten, die unterschiedlichen Einfluss auf die Gesundheit haben können. In einem experimentellen Modell der MS führte das Entfernen sämtlicher Bakterien (auch die natürlich vorkommenden) aus dem Darm zu einem Ausbleiben der Entzündung im Gehirn und Rückenmark, gewissermaßen eine Resistenz gegenüber MS. Der Mensch ist ohne eine „natürliche“ Besiedlung des Darms aus verschiedensten Gründen nicht überlebensfähig, d.h. jetzt gilt es, die Nadel im „Bakterien-“ und deren „-Stoffwechsel-Haufen“ zu identifizieren.
Neben der schützenden Beschichtung der Darmwand, ist eine Hauptfunktion des Mikrobioms die Verstoffwechselung der für den Körper sonst unverdaulichen Nahrungskomponenten. Die entstehenden Stoffwechselprodukte werden wiederum dem Körper zur Verfügung gestellt. Zu diesen Stoffwechselprodukten gehören unter anderem kurzkettige Fettsäuren (short chain fatty acids; SCFA), welche über die Darmwand zum einen mit Zellen des Immunsystems kommunizieren und zum anderen über die Blutbahn ebenfalls Einfluss auf weiter entfernte Organe, wie zum Beispiel das Gehirn nehmen können (Darm- Hirn Achse). Somit kann eine veränderte Darmflora eine veränderte Bereitstellung von Stoffwechselprodukten für den Körper zur Folge haben, die u.a. immunologische Prozesse beeinflussen.
Prof. Dr. med. Aiden Haghikia und sein Team konnten in ihrer Studie zeigen, dass die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms von MS-Erkrankten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen verändert ist. Bakterienarten, die hauptverantwortlich für den Umbau von Nahrungskomponenten zu SCFA sind, kamen verringert vor. Es ist aber nicht eine Bakterien- Art verantwortlich, die ersetzt oder entfernt werden könnte, sondern eine komplexe Veränderung ganzer Netzwerke. Dieser veränderte Zustand des Mikrobioms, eine sogenannte Dysbiose kann nicht durch die Zuführung einzelner Bakterien rückgängig gemacht werden. Basierend auf diesen Ergebnissen wurde im Blut und Stuhl von MS-Erkrankten die Konzentration der SCFA bestimmt. Im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen waren Essigsäure und Buttersäure unverändert. Die Propionsäure aber zeigte eine starke Verminderung bei MS-Erkrankten im Vergleich zu gesunden Kontrollen. Dieser Mangel war in einer Gruppe von neu diagnostizierten MS-Erkrankten ebenfalls vorhanden und sogar deutlicher ausgeprägt als in der Gesamtkohorte. Damit konnten die Wissenschaftler erstmals einen möglichen, systemischen Mangel an Propionsäure bei MS-Erkrankten nachweisen.
Im weiteren Studienverlauf nahmen ca. 300 MS-Erkrankte zweimal täglich Propionat (Salz der Propionsäure; PA, a 500 mg) zusätzlich zu ihrer bestehenden MS-Therapie ein. Bereits nach 14 Tagen PA-Einnahme zeigte sich im Blut der MS–Erkrankten ein ca. 50-prozentiger Anstieg von Regulationszellen (Treg), während die entzündungsfördernden (Th17) Zellen stark vermindert waren. Zudem stieg auch die Funktion von Treg, welche im Allgemeinen in der Hemmung und Regulierung von Entzündungen im Körper besteht, wesentlich an. Somit wirkt sich PA bereits nach kurzer Zeit im Kontext der MS immunmodulierend aus.
Um festzustellen, ob diese immunologischen Veränderungen auch einen positiven Einfluss auf Verlauf und Fortschritt der Erkrankungen haben können, wurden klinische Verlaufsdaten der MS-Erkrankten prospektiv analysiert. Hierfür standen klinische Daten in einem Zeitraum von bis zu sechs Jahren vor und bis zu vier Jahren nach PA-Einnahme zur Verfügung. Bei einer zusätzlichen Einnahme von PA zeigte sich eine Reduktion der jährlichen Schubrate sowie eine Abnahme des Progressionsrisikos. Darüber hinaus konnten in einer kleinen Gruppe von MS-Erkrankten anhand von MRT-Analysen eine Zunahme an Hirngewebe im Vergleich zu unbehandelten Patienten nach zwei Jahren PA-Einnahme beobachtet werden. Somit zeigte PA neben der immunmodulatorischen Komponente eine mögliche protektive Wirkung auf das Nervengewebe. Aber wie genau wirkt PA im Darm?
Um diese Frage zu beantworten und den zugrundeliegenden Mechanismus aufzudecken, haben Haghikia und Kollegen ein künstliches Darm- Modell untersucht. Hierbei konnte gezeigt werden, dass es nach Übertragung des Stuhls von MS-Erkrankten, die PA eingenommen hatten, es zu einer Veränderung der Funktion der Darmbakterien kommt, die eine erhöhte Entstehung von Tregs in der Darmwand bedingt. Innerhalb des Darm-Modells waren Gene, welche die Entstehung von Treg fördern, deutlich gesteigert. Um die gesteigerte Funktion der Treg nachzuvollziehen, wurden die Kraftwerke der Zellen (Mitochondrien) und die Zellatmung in den Immunzellen untersucht: Treg aus dem Blut von MS-Erkrankten zeigte nach PA-Einnahme eine deutlich gesteigerte Funktion der Mitochondrien, den Haupt-Energieproduzenten der Zellen. Dies erklärt, warum nicht nur die Anzahl, sondern auch die Funktionalität von Treg nach PA-Einnahme ansteigt.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Ernährung und das damit verbundene Darm-Mikrobiom einen messbaren Einfluss auf die Entstehung und den Verlauf der MS haben kann. Durch die Einnahme von PA konnte nicht nur der vorherrschende Mangel an Propionsäure im Körper ausgeglichen werden, sondern auch die Dysbalance zwischen Treg und Th17-Zellen. Die resultierende Verminderung entzündlicher Prozesse im Körper könnte den positiven Verlauf und eine Stabilisierung der Erkrankung in unserer Langzeitanalyse erklären. Zusätzlich ließ sich die Einnahme von PA gut mit der Gabe von MS-Medikamenten kombinieren und zeigte dabei keine assoziierbaren Nebenwirkungen. 
Quelle: Originalartikel: Propionic Acid Shapes the Multiple Sclerosis Disease Course by an Immunomodulatory Mechanism. Duscha et al., Cell. 2020 Mar 19;180(6):1067-1080.e16. doi: 10.1016/j.cell.2020.02.035. Epub 2020 Mar 10. PubMed ID: 32160527; 
Mitgliederzeitschrift aktiv! 2-2020, DMSG-Bundesverband, 3.8.2020



Angehängte Dateien
.pdf   fette.pdf (Größe: 67,62 KB / Downloads: 0)
Drucke diesen Beitrag

  Mikro-RNA Bluttest für MS
Geschrieben von: 1000gesichter - 26.07.2020, 06:46 - Forum: Aktuelle Studien und Berichte - Keine Antworten

Mikro-RNA als weiterer Bluttest für Multiple Sklerose?
23. Juli 2020

Die Neurofilamente erhalten "Konkurrenz": Forscher aus Portugal finden in Mikro-RNA eine weitere Möglichkeit, die MS zu messen.
Seit Jahrzehnten gibt es im wesentlichen zwei Mittel, um eine Multiple Sklerose genau zu diagnostizieren:

  • die Analyse von Rückenmarksflüssigkeit, dem sogenannten Liquor, welches durch eine Rückenmarkspunktion gewonnen wird, und
  • Aufnahmen im Kernspin, wobei eine einzige Aufnahme zu einem Zeitpunkt im Magnetresonanz-Tomographen (MRT) oft noch keine Gewissheit bringt. Erst wenn zu einem späteren Zeitpunkt (etwa nach einem zweiten Schub) Veränderungen im MRT zu sehen sind, lässt sich die Diagnose MS stellen.
Beides, sowohl die Liquoranalyse als auch Kernspinaufnahmen sind relativ aufwendig bzw. brauchen Zeit. Nicht selten ist es deshalb ein mitunter Jahre währender Weg bis zur gesicherten Diagnose MS.
Abwarten und Tee trinken?
Könnte man nach dem ersten Verdacht, zum Beispiel Doppelbild-Sehen, die Diagnose schneller und durch eine einfache Blutabnahme stellen, dann würden einige Patienten früher mit einer passenden Behandlung starten können. Zwar sind manche der für MS zugelassenen Wirkstoffe bereits bei CIS (dem klinisch isolierten Syndrom, das auf eine MS hindeutet, sie aber noch nicht mit Gewissheit diagnostiziert) zugelassen. Weil jedoch Nebenwirkungen nicht auszuschließen sind, warten Patienten oft ab, bis sie eine gesicherte MS-Diagnose haben.
Klar, möchte niemand, der gar keine MS hat, mögliche Nebenwirkungen mit in Kauf nehmen.  Für diejenigen, bei denen es später zu einer gesicherten Diagnose kommt, geht jedoch wertvolle Zeit verloren. Denn, darüber sind sich Neurologen einig, je früher man beginnt, die MS zu behandeln, desto mehr Lebensqualität und Selbstständigkeit bleibt den Patienten erhalten.
Diagnose Multiple Sklerose schneller stellen
Die gute Nachricht: Das könnte sich bald ändern und die Diagnose Multiple Sklerose schneller gestellt werden. Bereits Ende Juni 2020 hatte amsel.de über Neurofilamente berichtet, eine Möglichkeit, die MS über das Blut der Patienten zu diagnostizieren (und sogar, eine Aussage zum Fortschreiten der Erkrankung zu machen). Und es gibt mit der Analyse von Mikro-RNA möglicherweise einen zweiten Weg, die MS über eine Blutabnahme festzustellen. Freilich steht diese Möglichkeit nicht wirklich in Konkurrenz zu den Neurofilamenten, vielmehr könnten sich beide Bluttests auch ergänzen.
Wie portugiesische Forscher auf dem virtuellen Kongress der European Academy of Neurology (EAN) berichtet haben, sind es vier verschiedene Mikro-RNA, die zusammen eine Speziftität von 90 % und eine Sensitivität von 84 % bieten. Ist ein Test zu 90 % spezifisch, dann bedeutet dies, dass im Durchschnitt 90 von 100 untersuchten Patienten, bei denen der Test negativ ausfiel, tatsächlich nicht erkrankt sind ("richtig-negativ"). Ist ein Test zu 84 % sensitiv, dann bedeutet dies, dass 84 von 100 untersuchten Patienten, bei denen der Test positiv ausfiel, tatsächlich erkrankt sind ("richtig-positiv). Keine Frage, es wäre wünschenswert eine Sensitivität von 100 % und eine ebensolche Spezifität zu haben. Doch gerade gemeinsam mit anderen Untersuchungen lässt ein solcher Test doch eine bessere Diagnose zu als die bisherigen Mittel.
MikroRNA: zusammen gute Aussagekraft
Eine Mikro-RNA (miR) für sich alleine genommen, brachte nur ungenügende Spezifität und Sensitivität. Um solch relativ präzise Testergebnisse zu erhalten, haben die portugiesischen Forscher folgende vier Mikro-RNA, die alle Einfluss auf das Entzündungsgeschehen haben, zu Grunde gelegt:
  • miR-146a
  • miR-155 i
  • miR-21
  • miR-22
Untersucht wurden 84 MS-Patienten und eine Kontrollgruppe mit 42 Gesunden. Größere Studien sind nötig, um die Ergebnisse zu bestätigen und den Test differenzialdiagnostisch zu prüfen. Mit den erwähnten Neurofilament-Leichtketten-Proteinen ist man da heute bereits weiter auf dem Weg zu einem geeigneten Biomarker für Multiple Sklerose. NFL finden bereits Anwendung in Wirkstoffstudien. Möglicherweise könnten sich jedoch beide Tests als Biomarker ergänzen. Wünschenswert wäre in jedem Fall eine schnellere und präzisere MS-Diagnose. 
Quellen: EctriMS 2019;European Academy of Neurology (EAN) Virtual Congress. MS and relateddisorders 3. Development of a circulating microRNA biomarker panel forMultiple Sclerosis, 26.5.2020; InFo Neurologie + Psychiatrie 2020, S. 60.



Angehängte Dateien
.pdf   mikro-rna.pdf (Größe: 47,87 KB / Downloads: 0)
Drucke diesen Beitrag