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Antikörper im Nervenwasser
#1
Multiple Sklerose: Auffällige Antikörper im Nervenwasser geben Hinweis auf den Verlauf
Donnerstag 02.05.2019
Ein verlässlicher Biomarker, der die Entwicklung der Behinderung bei Multipler Sklerose (MS) vorhersagt, fehlt bisher. Eine Arbeitsgruppe an der Technischen Universität München (TUM) hat nun in einem Forschungsprojekt des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS) gezeigt, dass erhöhte Werte bestimmter Antikörper im Nervenwasser Anzeichen für eine frühere und schnellere Behinderung sind.
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© DMSG-Bundesverband

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Bei der Diagnose von Multipler Sklerose wird standardmäßig Nervenwasser mit Hilfe einer sogenannten Lumbalpunktion entnommen. Das Forschungsteam um Prof. Dr. med. Bernhard Hemmer, Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Klinikums rechts der Isar der TUM, Vorstandsmitglied des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. und KKNMS-Vorstand, untersuchte Nervenwasserproben von 637 MS-Erkrankten, die regelmäßig über vier Jahre lang hinsichtlich ihrer Behinderung untersucht wurden. Die Daten für die Untersuchung lieferte die Nationale MS-Patientenkohorte des KKNMS, in die seit 2010 1.376 Patienten aus 18 Studienzentren eingeschlossen wurden. Ihre Daten und Bioproben werden zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses, ein Jahr später und dann alle zwei Jahre erhoben.
Die Arbeitsgruppe konnte nun zeigen, dass erhöhte Werte eines bestimmten Antikörpers im Nervenwasser, dem Immunglobulin G (IgG), mit einem höheren Risiko einer Zunahme der Behinderung in Verbindung stand und zwar unabhängig vom Auftreten von Schüben und von der Behandlung mit verlaufsmodifizierenden Therapien. Die Verschlechterungen traten bei Patienten mit erhöhten Antikörperkonzentrationen im Nervenwasser außerdem zu einem früheren Zeitpunkt auf als bei Patienten mit normalen Antikörperkonzentrationen. Eine erhöhte Antikörperkonzentration im Nervenwasser zeigte eine Bildung dieser Antikörper im zentralen Nervensystem an, was man als intrathekale IgG-Synthese bezeichnet. Vier Jahre nach Studienbeginn hatten 28,4 Prozent der Patienten mit intrathekaler IgG-Synthese und nur 18,1 Prozent der Patienten ohne sie eine Verschlechterung ihres EDSS-Werts, der das Ausmaß der Behinderung misst.
„Unsere Daten zeigen, dass ein Standard-Laborparameter aus dem Nervenwasser auch für die Abschätzung des längerfristigen Verlaufs von Bedeutung ist. Die Kenntnis solcher Parameter hilft uns, die Prognose des Patienten besser einzuschätzen und damit eine bessere Grundlage für fundierte Therapie-Entscheidungen zu haben“, erklärt Prof. Dr. Bernhard Hemmer das Ergebnis der Studie. Verbindungen zwischen anderen Routine-Liquorparametern und einer Verschlechterung des Behinderungsgrads wurden untersucht, konnten aber nicht gefunden werden. Die in der KKNMS-Kohorte gesammelten Proben und Daten können auf Antrag auch von Forschern außerhalb des Netzwerks genutzt werden.
  • Hier lesen Sie die Original-Publikation von Christiane Gasperi, Anke Salmen, Gisela Antony, Antonios Bayas, Christoph Heesen, Tania Kümpfel, Ralf A. Linker, Friedemann Paul, Martin Stangel, Björn Tackenberg, Florian Then Bergh, Clemens Warnke, Frank Weber, Heinz Wiendl, Brigitte Wildemann, Uwe K. Zettl, Ulf Ziemann, Frauke Zipp, Hayrettin Tumani, Ralf Gold, Bernhard Hemmer: Association of Intrathecal Immunoglobulin G Synthesis With Disability Worsening in Multiple Sclerosis, Jama Neurology, April 29, 2019, DOI: 10.1001/jamaneurol.2019.0905.
Quelle: KKNMS - 02.05.2019


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