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Multiple Sklerose: Hohe Lebensqualität erreichbar
#1
Multiple Sklerose: Hohe Lebensqualität erreichbar
Dtsch Arztebl 2019; 116(45): A-2088

In der Vergangenheit ging eine Multiple-Sklerose-Erkrankung für die meisten Patienten mit einer signifikanten Behinderung und einer verkürzten Lebenserwartung einher. Mittlerweile ermöglichen moderne Immuntherapien eine nahezu normale Lebensdauer bei gutem Befinden.
Die Chancen für Patienten mit Multipler Sklerose (MS), trotz ihrer Erkrankung ein gutes Leben mit hoher Lebensqualität zu führen, werden laut Registerdaten stetig besser. Viele Patienten bleiben langfristig ohne Behinderung, die Lebenserwartung hat deutlich zugenommen. Ein großer Anteil an dieser Entwicklung wird der Immuntherapie zugeschrieben.
Während vor rund 20 Jahren die Lebenserwartung von Männern mit MS – ihre Prognose ist etwas schlechter als die von Frauen – noch um etwa 7 Jahre verringert war, nähert sie sich heute der der Normalbevölkerung an, berichtete Prof. Dr. med. Judith Haas, Berlin. Ein hoher Prozentsatz der Patienten im MS-Register DMSG mit derzeit rund 25 000 Teilnehmern habe „praktische keine Behinderung“ (EDSS 2,5). Auch Zahlen aus der Berliner Datenbank zu mehr als 6 000 MS-Patienten (darunter 1 700 Männer) verdeutlichen die Fortschritte beim Management der Erkrankten: Mehr als die Hälfte der Patienten sind nach 27 Jahren Krankheitsdauer mehr als 500 Meter gehfähig. „Wir denken, dass die Immuntherapie dabei eine wesentliche Rolle spielt“, sagte die Neurologin vom MS-Zentrum am Jüdischen Krankenhaus in Berlin.
Reduktion der Schubrate
Durch eine Immuntherapie werden bei schubförmig remittierender MS (RRMS) Krankheitsschübe verhindert. Die Progression der Erkrankung kann aufgehalten werden. Mit dem oralen Immunmodulator Teriflunomid (Aubagio®, Sanofi Genzyme) zum Beispiel wurde laut gepoolter Analyse der Daten aus den Studien TEMSO und TOWER die Rate an Schüben mit Residuen um 53 % vs. Placebo reduziert (p < 0,001) (1). Das Risiko einer Behinderungsprogression, gemessen am EDSS (Expanded Disability Status Scale), konnte in beiden Zulassungsstudien ebenfalls signifikant reduziert werden (2, 3).
Langzeitdaten aus mehreren Extensionsstudien belegen bei Respondern – mit und ohne vorherige krankheitsmodifizierende MS-Therapie (DMT) – einen anhaltend stabilen EDSS unter Teriflunomid und ein konstantes Sicherheitsprofil über inzwischen 8 Jahre (4), wie Prof. Dr. Dr. med. Sven Meuth, Münster, berichtete. Häufigste Nebenwirkungen sind ein Anstieg der Leberwerte, Kopfschmerzen, Durchfall und Haarausdünnung. Die Wirksamkeit von Teriflunomid entspricht der von Dimethylfumarat (DMF), so der Neurologe weiter, die Behandlungszufriedenheit der Patienten nehme aber nach einer Umstellung von DMF auf Teriflunomid häufig zu (5).
Primäres Therapieziel bei MS-Patienten ist die Freiheit von klinisch relevanter und messbarer Krankheitsaktivität. Für Patienten mit hochaktiver RRMS trotz DMT kommt als Eskalation eine intravenöse Impulstherapie mit Alemtuzumab (Lemtrada®, Sanofi Genzyme) infrage. Derzeit ist sie aufgrund neuer Sicherheitssignale (Rote-Hand-Brief vom 24. April 2019) erst für den Einsatz nach 2 Vortherapien zugelassen. Ziel sei es, wieder eine Erweiterung der Zulassung zu erreichen, sagte Dr. Ulrich Engelmann vom Unternehmen Sanofi-Genzyme.
Auch für Alemtuzumab liegen aus der Care-MSII-Studie inzwischen Langzeitdaten über 8 Jahre vor, die eine anhaltend geringe jährliche Schubrate der Behandelten belegen. 48 % der Patienten waren von Jahr 3 bis Jahr 8 schubfrei (6). Die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse wie sekundäre Autoimmunität habe im Langzeitverlauf abgenommen, betonte Meuth.
Weniger Fatigue
„Eine Therapie, die Schübe verhindert, verbessert die Lebensqualität“, sagte Haas. Sie verringert auch die Fatigue. Die Behandlung von Fatigue und von Depressionen hat nach Angaben der Neurologin entscheidenden Anteil am Erfolg einer MS-Therapie und der Verbesserung der Lebensqualität. Die symptomatische Therapie sollte an die Bedürfnisse der Patienten angepasst werden.
Auch ein gesunder Lebensstil kann den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen. Die Patienten sollten Übergewicht vermeiden und regelmäßig körperlich aktiv sein, „auch wenn sie sich danach müde fühlten“, so Haas. Regelmäßige Physiotherapie nannte sie ebenfalls als wichtigen Faktor. Empfehlenswert seien außerdem mediterrane Kost, wenig Kochsalz, wenig Alkohol und kein Nikotin. Der Stellenwert einer Vitamin-D-Supplementation ist dagegen derzeit unklar. Roland Fath
Quelle: Presseworkshop „5. MS Special(ists)“, Hamburg, 25. Juni 2019; Veranstalter: Sanofi Genzyme


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