Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
BT (Basistherapien)
#1
Basistherapien
Unter Basistherapien versteht man Substanzen, die aufgrund ihres günstigen Nebenwirkungsprofils bereits am Beginn der Multiple Sklerose-Erkrankung eingesetzt werden.
Die Medikamente können eine signifikante Reduktion der Schübe (bis ca. 30%) und deren Auswirkungen bewirken.

Interferone
Mit Interferon-beta steht ein Medikament als Injektion zur Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) zur Verfügung. Es ist in verschiedenen Darreichungsformen mit unterschiedlichen Injektionsabständen und -wegen verfügbar.
Interferon-beta 1a (Avonex®)
Interferon-beta 1a (Rebif®)
Pegyliertes Interferon-beta 1a (Plegridy®)
Interferon beta 1b (Betaferon®)
Wirkung:
Interferone wirken auf das Immunsystem modulierend und entzündungshemmend. Sie verringern sowohl die Schubrate als auch die Narbenbildungen im Gehirn.

Nebenwirkungen:
Interferone bewirken grippeähnliche Symptome unmittelbar nach den Injektionen. Diese können mit Gliederschmerzen, Schüttelfrost und Fieber einhergehen. Da empfohlen wird, die Injektionen am Abend zu verabreichen, sind diese Nebenwirkungen zumeist am nächsten Tag nicht mehr vorhanden. Ein weiteres Problem der Interferoninjektionen unter die Haut stellen rote Flecken, die sich an den Injektionsstellen entwickeln, dar. Diese können manchmal mehrere Tage bis Wochen bestehen bleiben und sind zumeist zwar kosmetisch störend, aber harmlos. Selten können sich aber aus diesen Flecken Nekrosen (Geschwüre) bilden, die dann sehr mühsam zu behandeln sein können.

Schwangerschaft und Stillzeit:
Die Therapie kann mit Eintritt der Schwangerschaft beendet werden. Bei aktiver MS kann unter Abwägung von Nutzen und Risiko die Therapie auch fortgeführt werden. Es wird empfohlen die Therapie in der Stillzeit zu beenden.

Weitere Basistherapien
Glatirameracetat
Glatirameracetat (Perscleran®) ist ein synthetisches Eiweißmolekül, das regulierend in das Immunsystem eingreift. Ähnlich den Interferonen hat Glatirameracetat eine immunmodulatorische Wirkung. Es wirkt ebenfalls schubreduzierend, auch eine Unterdrückung der Narbenbildung wurde nachgewiesen.
Dosis:
20 mg/ml 1x täglich oder 40 mg/ml 3x wöchentlich unter die Haut (subkutane Injektion)

Nebenwirkungen:
Es kommt häufig zu Rötungen und gelegentlich auch zu Verhärtungen an den Injektionsstellen. Selten kann es zu einer sofortigen Reaktion nach der Injektion mit  Hitzewellen, Schweißausbruch, (sog. Flush-Syndrom), manchmal mit Gefühl der Brustenge, Atemnot und Herzklopfen und Angstgefühlen kommen. Diese Beschwerden sind kurzdauernd, vorübergehend und völlig ungefährlich.

Schwangerschaft und Stillzeit:
Die Therapie kann mit Eintritt der Schwangerschaft beendet werden; ein Fortführen kann bei aktiver MS erwogen werden (Nutzen/Risiko-Abwägung).
Es wird empfohlen die Therapie in der Stillzeit zu beenden.

 
Cladribin
Cladribin (Mavenclad®) zählt zu den Immuntherapien und ist für Menschen mit hochaktiver schubförmiger Multipler Sklerose zugelassen. Cladribin wird als Tablette über einen Zeitraum von zwei Jahren in vier Zyklen von jeweils fünf Tagen eingenommen. Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten reduziert Cladribin die Häufigkeit von Schüben und hält die Zunahme der Behinderung auf. Cladribin muss selten eingenommen werden, da das Medikament das Immunsystem langfristig beeinflusst.
Cladribin ist ein sogenanntes Nukleosidanalogon und ähnelt den Bausteinen des menschlichen Erbguts. Sobald Zellen diese fremden Bausteine in ihr Erbgut einbauen, wird ihre Funktion gestört, wodurch sie schneller zugrundegehen als üblich. Aus diesem Grund kann Cladribin Krebszellen bekämpfen und ist als Chemotherapie bei der Haarzellleukämie zugelassen.
Cladribin gehört zu den Immuntherapien der MS, die unter der Vorstellung entwickelt wurden, dass es sich bei der MS vor allem um eine Erkrankung des Immunsystems handelt. Generell zielen Immuntherapien darauf ab, die Immunreaktionen teilweise zu unterdrücken. Cladribin wirkt besonders auf bestimmte Untergruppen weißer Blutkörperchen (Lymphozyten). Indem Immunzellen Cladribin als Baustein in ihr Erbgut einbauen, sinkt deren Anzahl vorübergehend ab, wodurch bestimmte Funktionen gestört
werden können.

Einnahme
Cladribin wird in Form von Tabletten in insgesamt vier Behandlungszyklen über einen Zeitraum von zwei Jahren eingenommen. In beiden Jahren gibt es je zwei Behandlungszyklen von vier bis fünf Tagen im Abstand von einem Monat.
Nebenwirkungen
Nebenwirkungen, die bei der Einnahme von Cladribin in Studien auftraten, waren Kopfschmerzen und eine Verminderung der weißen Blutzellen. Diese Verminderung betrifft vor allem die Lymphozyten. Die Anzahl der weißen Blutzellen muss deshalb in regelmäßigen Abständen mit einem großen Blutbild bestimmt werden. Fällt die Zahl der Lymphozyten unter einen bestimmten Grenzwert, sollte keine Medikamentengabe erfolgen, bis sich die Werte wieder normalisiert haben.
Behandlungsdauer
Die Behandlungsdauer mit Cladribin-Tabletten ist für zwei Jahre vorgesehen, mit anschließenden zwei Jahren ohne Therapieeinnahme. Die Langzeitdaten der Zulassungsstudie sprechen dafür, dass der Effekt zumindest tweilweise über einen Zeitraum von zwei weiteren Jahren anhält. Über diese Zeit hinaus liegen keine Daten vor.
Nutzen und Risiko der Einnahme müssen laufend überprüft werden. Ein Abschätzen des Nutzens ist oft frühestens nach einem Jahr möglich. Als Hinweise für eine Wirksamkeit werden allgemeine Schubfreiheit und das Fehlen neuer Herde in der MRT angesehen.
Cladribin darf in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden.
 
 
Teriflunomid 
Teriflunomid (Aubagio®) ist für Erwachsene mit schubförmiger Multipler Sklerose zugelassen. Es wird als Tablette in einer Dosierung von 14 mg ein Mal täglich eingenommen. Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten reduziert Teriflunomid die Schubrate und hält die Zunahme der Behinderung auf.
Teriflunomid zählt zu einer Gruppe von Substanzen, die sowohl in der Natur (z.B. im Fliegenpilz) als auch als Grundlage entzündungshemmender Medikamente vorkommen. Es ist zudem ein biologisch aktives Stoffwechselprodukt von Leflunomid, einem Medikament, das in der Rheumatologie seit fast 20 Jahren häufig zur Behandlung entzündlicher Gelenkerkrankungen eingesetzt wird.
Teriflunomid gehört zu den sogenannten Immuntherapien der MS. wurden unter der Vorstellung entwickelt, dass es sich bei der MS vor allem um eine Erkrankung des Immunsystems handelt. Generell zielen diese darauf ab, die Immunreaktionen teilweise zu unterdrücken. Teriflunomid hemmt ein Enzym, das im Zellstoffwechsel aktiver und schnell wachsender weißer Blutkörperchen (Leukozyten) notwendig ist. Besonders stark wachstumshemmend wirkt es auf zwei Untergruppen der weißen Blutkörperchen, die T- und B-Lymphozyten.
Teriflunomid zerstört dabei aber weder Zellen noch beschädigt es deren Erbinformation. Andere Zellen werden dagegen von Teriflunomid wenig oder gar nicht in ihrem Stoffwechsel beeinträchtigt.

Einnahme
Teriflunomid wird ein Mal täglich unabhängig von den Mahlzeiten und der Tageszeit als Tablette eingenommen. Zugelassen ist eine Dosis von ein Mal 14 mg.
Nebenwirkungen
An wichtigen Nebenwirkungen treten bei einem Teil der Patientinnen und Patienten Leberwerterhöhungen, Übelkeit und Durchfall, vorübergehender Haarausfall, Verminderung von weißen Blutkörperchen und eine leichte Blutdruckerhöhung auf. Zur Überwachung sollten im ersten halben Jahr der Therapie alle 14 Tage die Leberwerte bestimmt werden, danach alle zwei Monate. Das Blutbild muss während der gesamten Therapie alle zwei Monate kontrolliert werden. Ohne besondere Maßnahmen ist Teriflunomid noch acht Monate bis zwei Jahre nach Therapieende im Blut nachweisbar, kann durch die Gabe von Colestyramin oder Aktivkohle jedoch in wenigen Tagen aus dem Körper entfernt werden.
Teriflunomid darf in Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen.
 
 
Dimethylfumarat
[img=247x17]file:///C:/Users/mello/AppData/Local/Temp/msohtmlclip1/01/clip_image002.jpg[/img]Dimethylfumarsäureester (Tecfidera®) ist für Erwachsene mit schubförmiger Multipler Sklerose zugelassen. Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten reduziert Fumarat die Schubrate und hält die Zunahme der Beeinträchtigung auf.
Fumarat gehört zu den sogenannten Immuntherapien der MS. Sie wurden unter der Vorstellung entwickelt, dass es sich bei der MS vor allem um eine Erkrankung des Immunsystems handelt. Generell zielen diese darauf ab, die Immunreaktionen teilweise zu unterdrücken. Die genaue Wirkungsweise von Fumarat bei MS ist nicht geklärt. Bekannt ist aber, dass Fumarat Entzündungen hemmen kann.
Einnahme
Fumarat wird zwei Mal täglich (morgens und abends) als Kapsel eingenommen. Zugelassen ist eine Dosis von zwei Mal 120 mg (Startdosis) in den ersten zwei Wochen, anschließend ist eine Dosis von zwei Mal 240 mg vorgesehen. (Erhaltungsdosis)
Nebenwirkungen
Zu den wichtigsten Nebenwirkungen zählen Flush (Gesichtsrötung), Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Sodbrennen und Durchfälle sowie vorübergehende Hautrötungen („Flush“) und Hitzewallungen. Sehr selten trat eine Progessive Multifokale Leukenzephalopathie (PML) auf, wobei eine langanhaltende Erniedrigung weißer Blutkörperchen (Lymphopenien) eine Rolle spielen dürfte. Aus diesem Grund muss alle sechs bis acht Wochen ein Blutbild durchgeführt werden.


Angehängte Dateien
.pdf   BT.pdf (Größe: 42,9 KB / Downloads: 0)


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste