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DMSG-Forschungsförderung: Den Auslösern der Multiplen Sklerose (MS) auf der Spur
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DMSG-Forschungsförderung: Den Auslösern der Multiplen Sklerose (MS) auf der Spur
Mittwoch 08.07.2020
Beeinflussbare Risikofaktoren der MS: Zum Thema der Ausschreibung der Forschungsförderung der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V. für Einzelprojekte im Jahr 2019 hat PD Dr. med. Lisa Ann Gerdes, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), LMU Klinikum, Institut für Klinische Neuroimmunologie die unabhängigen Gutachter mit ihrem aussichtsreichen Forschungsansatz überzeugt. Ihr Projekt „MS Zwillingsstudie: Wie Darmspiegelungen helfen können, den Auslösern der Multiplen Sklerose auf die Spur zu kommen“ erhält in den nächsten 24 Monaten eine Förderung in Höhe von 140.000,00 Euro.
Das Risiko für die Krankheitsentstehung wird bei Multipler Sklerose einerseits in einer genetischen Veranlagung gesehen, eine wichtigere Rolle scheinen aber Einflüsse von Umweltfaktoren zu spielen. In den letzten Jahren konnten viele Komponenten mit einem relevanten aber nicht entscheidenden Effekt identifiziert werden, wie z.B. Rauchen, Vitamin-D-Mangel oder eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus. Soweit möglich wird versucht, diese Faktoren positiv zu beeinflussen. Wichtiger ist jedoch die Erforschung neuer Umweltfaktoren, die am Anfang der Krankheitsentstehung die fehlerhaften Weichen stellen und die Immunzellen in die Irre führen. Die Kenntnis dieser frühen Mechanismen würde die Möglichkeit bieten, die Ursache der Erkrankung besser zu verstehen und im besten Fall ihre Entstehung der Erkrankung verhindern.
Ein wichtiger Ansatzpunkt, an dem es zu einer fälschlichen Aktivierung der Immunzellen kommen kann, ist die Interaktion des lokalen Darm-assoziierten Immunsystems mit den Darmbakterien.
Der menschliche Verdauungstrakt hat in seiner gesamten Länge und Oberfläche in verschiedenen Abschnitten unterschiedliche und teils komplexe Aufgaben zu bewältigen. Das geht weit über die Zerkleinerung und Aufnahme von Nährstoffen hinaus. Intensiv wurden in den letzten Jahren die Zusammensetzung und Funktionen der Darmbakterien untersucht und mögliche Auswirkungen auf Gesundheit und Krankheit des menschlichen Organismus. Wie man heute weiß, gibt es insbesondere im Dünndarm eine speziell an den Darm angepasste Spezialabteilung des Immunsystem, welche z.B. über die Nahrung aufgenommene schädliche Eindringlinge abwehren soll, anderseits aber auch nützliche Darmbakterien tolerieren muss. An dieser empfindlichen Schnittstelle können möglicherweise fehlerhafte Kontakte von Bakterien mit Immunzellen auftreten. Dadurch entstehen Veränderungen in wichtigen Immunzellen, die sich dann über das Lymphsystem und Blut in den Körper verteilen und den Weg in das zentrale Nervensystem finden können.
[Bild: Dr.__Lisa_Ann_Gerdes.jpg]


Projektleiterin: PD Dr. med. Lisa Ann Gerdes, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), LMU Klinikum, Institut für Klinische Neuroimmunologie. Bild: privat

Um hier Licht ins Dunkel zu bringen, haben PD Dr. Lisa Ann Gerdes und Kollegen in einem ersten Ansatz die Darmbakterien in Stuhlproben von eineiigen Zwillingspaaren untersucht, bei denen ein Zwilling an Multipler Sklerose erkrankt und der andere gesund war. Diese Zwillingskonstellation bietet den Vorteil, dass eineiige Zwillinge das exakt identische Erbgut haben und auch viele von den oben genannten Umweltfaktoren teilen, so dass ein möglichst MS-relevanter Unterschied in den Ergebnissen zu erwarten ist. Frühere Untersuchungen konnten bereits erste Hinweise auf Unterschiede in der Zusammensetzung der Darmbakterien feststellen und auch im Tiermodell der MS nachweisen, dass es Faktoren in der Darmflora von MS-Erkrankten gibt, die über die Schnittstelle Darm-Immunsystem-Gehirn die Entstehung der Multiplen Sklerose begünstigen.
In dem neu geförderten Projekt möchte sich PD Dr. Gerdes nun an die Stelle vorwagen, an der ein sehr intensiver Austausch von Bakterien und Immunsystem zu erwarten ist, nämlich dem Dünndarm. Dies ist aber nur über den „Umweg“ einer Darmspiegelung möglich. Die Darmspiegelung erfolgt in Zusammenarbeit mit PD Dr. med. Florian Beigel von der Medizinischen Klinik II des LMU Klinikums. Zusätzlich zu den Studienuntersuchungen erfolgt zeitgleich eine Darmkrebsvorsorge. Die Analysen des Mikrobiomes erfolgen in enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Reinhard Hohlfeld, Ehrenmitglied im Ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes, Prof. Dr. med. Hartmut Wekerle, Mitglied im Ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes, Dr. med. Hongsup Yoon und Dr. med. Anneli Peters. Zudem besteht eine Kollaboration mit dem internationalen Konsortium iMSMS (International Microbiome Study in MS). Für die Durchführung der Darmspiegelung haben sich bereits dankenswerterweise zahlreiche Teilnehmer/-innen der MS-Zwillingsstudie, die aktuell 83 Zwillingspaare zählt, bereit erklärt. „Unsere Planungen laufen auf Hochtouren und dank der großzügigen Forschungsförderung durch die DMSG können wir jetzt im Rahmen der MS-Zwillingsstudie dieses Projekt verwirklichen“, freut sich PD Dr. Gerdes.
Zwillinge gesucht!
Die MS TWIN STUDY ist seit 2012 am Institut für Klinische Neuroimmunologie des Klinikums der Universität München angesiedelt. Mit derzeit bereits 83 teilnehmenden eineiigen Zwillingspaaren ist sie weltweit einzigartig. Von den teilnehmenden Zwillingspaaren ist jeweils ein Zwilling an Multipler Sklerose erkrankt, während der andere gesund ist. Die epigenetischen Ergebnisse sind – als Teilprojekt der MS Zwillingsstudie – im Rahmen einer Kollaboration mit der Abteilung für Genetik und Epigenetik der Universität des Saarlands (Saarbrücken) entstanden. 
Die MS TWIN STUDY wird finanziell von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung unterstützt.
Ansprechpartner: Dr. med. Lisa Ann Gerdes Institut für Klinische Neuroimmunologie Klinikum der Universität München Campus Grosshadern
Tel. 089-4400-74784/-74781 E-mail: lgerdes@med.lmu.de 
Zwei neue Einzelprojekte für die Forschungsförderung des DMSG-Bundesverbandes ausgewählt
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten Erkrankung des Nervensystems bei jungen Erwachsenen. In Deutschland schätzt man die Zahl der MS-Erkrankten auf mehr als 250.000. Obwohl in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte in der Behandlung der MS erzielt werden konnten, ist MS nicht heilbar und führt häufig zu bleibenden Einschränkungen. Zudem gehen die verfügbaren Therapien auch mit relevanten Nebenwirkungen und Risiken einher. Daher ist Forschung, die sich auf das Verständnis der Krankheitsauslöser und der Faktoren, die die Krankheit beeinflussen, wenn sie entstanden ist, von größter Wichtigkeit. Der DMSG-Bundesverband hat daher die „beeinflussbaren Risikofaktoren“, sogenannte Umweltfaktoren, zum Thema seiner nationalen Forschungsförderung im Jahr 2019 gemacht und unterstützt zu diesem Thema nun zwei von elf Bewerbern nach einer internationalen Begutachtung. Ein Forschungsprojekt zur Krankheitsentstehung und eines zur Beeinflussung des Verlaufs. Das zweite Projekt werden wir in Kürze ebenfalls auf www.dmsg.de vorstellen.
Hintergrund und Ziele der DMSG-Forschungsförderung des DMSG-Bundesverbandes
Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. will, in Zusammenarbeit mit Ärzten, Wissenschaftlern, MS-Erkrankten, Angehörigen und allen Interessierten, die Erforschung der Multiplen Sklerose vorantreiben. Zu diesem Zweck wurde die Richtlinie zur Forschungsförderung weiterentwickelt. Hierbei ist der DMSG die Unterstützung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein besonderes Anliegen. Die Förderung der Einzelprojekte kann für maximal 24 Monate erfolgen. Neben der Einzelprojektförderung bietet der DMSG-Bundesverband weiterhin die bewährte Fehlbedarfsförderung an, mit der Lücken anderweitig geförderter MS-bezogener Projekte geschlossen werden können. Darüber hinaus werden Stipendien vergeben und wissenschaftliche Symposien gefördert zu MS-bezogenen Themen.

Die DMSG-Forschungsförderung für Einzelprojekte wurde 2019 u.a. unterstützt von:
Celgene GmbH, Merck Serono GmbH, Novartis Pharma GmbH, Roche Pharma AG, Sanofi Aventis GmbH
Quelle: DMSG-Bundesverband e.V. - 08.07.2020


Angehängte Dateien
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