Stammzelltherapien bei MS

Stammzelltherapie bei MS – hier muss man klar unterscheiden zwischen der bekannten Methode mit körpereigenen Stammzellen und der sogenannten neuronalen Stammzelltherapie. Die steckt noch in den Kinderschuhen. Prof. Mathias Mäurer erklärt beide Verfahren im Video.

Multiple Sklerose ist kompliziert und mögliche Therapien gegen sie sind es auch. Bei der Stammzelltherapie sollte man sich merken, dass es eben nicht nur DIE eine Stammzelltherapie gibt, sondern derzeit vor allem zwei völlig verschiedene Verfahren.

Autologe, hämatopoetische Stammzelltherapie

Bekannt ist die autologe, hämatopoetische Stammzelltherapie. Sie wird auch schon bei Patientinnen und Patienten angewendet; in Deutschland formierte sich jüngst eine Taskforce, um sie mehr Menschen mit MS zu ermöglichen (amsel.de hatte berichtet).

Dabei werden den Patienten eigene Stammzellen entnommen und aufbereitet, danach das übrige Immunsystem mit einer starken Chemotherapie „platt“ gemacht und hernach die entnommenen Stammzellen wieder in den Körper gegeben.

Diese Stammzelltherapie wirkt vor allem bei eher jungen MS-Patienten mit einer noch kurzen, aber heftigen Krankheitsgeschichte mit vielen Schüben. Sie richtet sich – ähnlich wie die meisten MS-Wirkstoffe – gegen das entzündliche Geschehen der MS, welches vor allem die ersten Jahre einer MS oft prägt. Sie wirkt vermutlich ähnlich gut wie die wirkungsstärksten MS-Wirkstoffe (amsel.de hatte berichtet). Heilen kann auch eine Stammzelltherapie nicht. Eine lange Phase NEDA (No Evidence of Disease Activity) ist jedoch möglich.

Neuronale Stammzelltherapie

Die neuronale Stammzelltherapie, die 2023 durch eine italienische Studie viel Aufmerksamkeit erhielt, unterscheidet sich in den meisten Punkten von der Stammzelltherapie mit eigenen (autologen) Stammzellen.

Hier werden fremde Vorläuferstammzellen ins Nervenwasser von Patientinnen und  Patienten mit MS injiziert, in der Hoffnung, dass sie die MS mildern, der Progression der MS „etwas“ entgegensetzen. Diese auch pluripotent genannten Stammzellen können sich in jegliche Art von neuronalen Zellen weiterentwickeln. Sie sind noch nicht festgelegt. Können theoretisch „alles“ werden.

Darin liegt zugleich auch der Haken: Sie könnten sich unkontrolliert vermehren, eventuell zu Tumoren führen. In zwei Jahren Nachbeobachtungszeit, das zeigte die Phase1-Machbarkeitsstudie mit MS-erkrankten Probanden, kam es nicht zu unkontrolliertem (Tumor-) Wachstum. Erst einmal eine gute Nachricht.

Als Machbarkeitsstudie hatte diese Studie nicht die Wirksamkeit der neuronalen Stammzelltherapie zum Ziel. Lediglich 12 Patienten wurden behandelt. Ein Teil davon mit der höchsten Dosis und in dieser sehr kleinen Gruppe zeigte sich ein Trend, dass sich das Hirnvolumen verbesserte, möglicherweise Remission stattfand. Allerdings braucht es deutlich größere Gruppen, um die Wirkung der neuronalen Stammzellen zu belegen.

Wodurch sich die neuronale zudem von der autologen Stammzelltherapie unterscheidet, ist die Zielgruppe: Von der neuronalen Stammzelltherapie sollen vor allen Dingen ältere Patienten mit progredientem Verlauf und fortgeschrittener MS profitieren. So gesehen wäre diese Art der Stammzelltherapie ein echter Bahnbrecher, denn diesen Patienten bleibt bislang hauptsächlich die symptomatische Therapie, da verlaufsmodifizierende Therapien sich vor allem gegen Entzündungen in der ersten Phase der MS richten, nicht jedoch gegen den schleichenden (nahezu) entzündungsfreien Verlauf vieler in späteren Jahren.

Fazit: viel Hoffnung für Menschen mit progredienter MS

Bleibt zu verzeichnen: Die neuronale Stammzelltherapie ist leider noch nicht in der Anwendung und bis dahin werden auch noch Jahre vergehen. Aber sie ist ein echter Hoffnungsträger für all die MS-Patientinnen und Patienten mit (weit) fortgeschrittener Multipler Sklerose.

Quelle: AMSEL-Videos. 29.08.2023.

Author: mello

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